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Wie sehen Verbraucher lokale Online-Marktplätze?

Consumer BarometerBisher war „Local Commerce“ nur…

  • eine rhetorische Spitzfindigkeit (aus E- wird L-Commerce),
  • eine Kampfvokabel im Strukturwandel des stationären Einzelhandels (mit der bis vor einem Jahr die adressierten Händler – ob inhabergeführt oder filialisiert – noch am wenigsten anfangen konnten, weil Digitalisierung eben Anpassungsschmerzen verursacht),
  • ein Feldversuch (für den das nationale Pilotprojekt Online City Wuppertal und einige wenige andere Städte wie Mönchengladbach den Kopf hingehalten haben) oder
  • eine Provokation (für alle E-Commerce-Experten, die zu recht die Defizite eines Multi-User-Shops aka lokaler Online-Marktplatz mit den unterschiedlichsten Sortimenten und Händlertypen sehen, aber nicht kapiert haben, dass es sich hier um einen Moderationsprozess und weniger um die rein technische Umsetzung eines Online-Shops handelt. Denn: Technische Optimierung geht immer, das rote Tuch Internet aus dem Gesichtsfeld zu reißen, nur einmal!)

Mit dem aktuellen Consumer Barometer des IFH Köln und KPMG ist aber klar, dass Local Commerce auch nicht am Kunden und Verbraucher „vorbei gedacht“ wurde. Zumindest nicht nicht in Wuppertal. Denn von all den genannten Services in oben stehender Abbildung sind in Wuppertal nur drei noch nicht in den laufenden Betrieb integriert bzw. (noch) nicht relevant:

  1. Mehrfachverwendung von Kartons/Verpackungsmaterialien ist in Wuppertal deshalb kein Thema, weil wir hier weitestgehend in Tüten versenden, die der Einzelhändler dem Kurier in die Hand drückt, der sie dann wiederum taggleich zum Kunden bringt. Große Lebensmittelhändler sind noch nicht Teil der OCW-Händlerschaft. Sie könnten aber ohne Weiteres kühlpflichtige Produkte mit den Boxen-Lösungen der DHL realisieren.
  2. Emissionsarme/umweltfreundliche Lieferung ist in Wuppertal deshalb noch nicht umgesetzt, weil wir mit der DHL auf einen Logistik-Partner zurückgreifen, der überhaupt erst einmal die Wirtschaftlichkeit von Local Commerce im Feldversuch abfragen möchte. In Wuppertal, der Hauptstadt der Elektromobilität, sollte es aber mittelfristig möglich sein, adäquate Last-Mile-Partner zu finden (Fahrradkuriere und E-Fahrzeuge). Als Projektpartner der Online City Wuppertal habe ich sogar schon immer betont, dass City-Logistik nur so wirklich Sinn macht!
  3. Online-Beratung (Chat, Video-Chat o.ä.) ist noch nicht umgesetzt worden, weil unser Infrastrukturgeber atalanda noch nicht die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen hat (aufgrund der Priorisierung der To Do’s) und weil sich nicht jeder Händler gleichermaßen im stationären Tagesgeschäft ausklinken kann für die Online-Beratung. Wir denken aber über eine dachgesteuerte Online-Beratung nach. Die Finanzierung und personelle Organisation dieses Features ist allerdings im gegenwärtigen Projektstand nicht möglich.
  4. In der Online City Wuppertal fungiert das sog. talKONTOR als Local Commerce Hub, Shop und Info-Zentrale. Retouren werden dennoch noch nicht über die zentrale Service-Stelle abgewickelt. Warum? Weil es noch keine gab bzw. wenn, dann werden sie über den Händler abgewickelt. Abrechungstechnisch und konzeptionell bleibt dieser Baustein wie auch händlerübergreifende Warenkörbe mit einheitlichen Lieferkosten eine große Herausforderung, die es noch zu bewältigen gilt.
Local Commerce Kongress

Händler der Online City Wuppertal auf dem Podium des Local Commerce Kongresses (Foto: Tom V Kortmann)

Es bleibt also festzuhalten: Eigenlob stinkt, aber für diesen Post klemme ich mir gerne eine Wäscheklammer an die Nase. Denn mit der Online City Wuppertal haben wir das Thema ‪Local Commerce‬ und lokale Online-Marktplätze auf die Agenda der Städte, Verbände und Interessengemeinschaften gehoben (erst am 3. November 2015 fand der Local Commerce Kongress mit 130 Teilnehmern in Wuppertal statt). Was haben wir in Wuppertal – engagierte Händler gleichermaßen wie das Projektmanagement – gekämpft, um diesen Ansatz zum Laufen zu bringen?! Wie oft mussten und müssen wir unseren Ansatz verteidigen?! Zurecht, denn noch lange sind wir nicht am Ende dieser spannenden Reise und es gibt noch sehr viel technischen, konzeptionellen und vertrieblichen Optimierungsbedarf. Aber keiner kann uns mehr vorwerfen, nicht den Hut des Kunden aufgesetzt zu haben. „Das Konzept ‚lokaler Online-Marktplatz‘ trifft den Nerv der Zeit“, so Mark Sievers, Head of Consumer Markets bei KPMG. Danke, Wuppertal, dass du mutig genug warst, ein Pilotprojekt zu sein! Und nein, wir haben oben erwähnte Studie nicht in Auftrag gegeben. Dieses Geld stecken wir lieber in das „digitale Dachmarketing“ für den Einzelhandelsstandort Wuppertal!