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WISO berichtet über lokale Online-Marktplätze

Bild: Markus Kuhnke, Wuppertal

Zunächst einmal muss positiv festgehalten werden: Jeder TV-Bericht, jede Zeile in Fach- und Publikumsmedien über neue Ansätze in der noch jungen Disziplin „Local Commerce“ ist wertvoll und wichtig. Denn der Prozess der Innovation braucht eine breite gesellschaftliche Debatte. Gerade erst – Location Insider berichtet – versucht sich ein weiteres Start-up aus Essen namens kauf.in am lokalen Online-Marktplatz, die Online City Wuppertal ist drauf und dran, eine Blaupause für diesen Ansatz nebst logistisch-stationärer Kernlösung zu entwickeln und Mönchengladbach macht mit eBay gleich eine richtig große Nummer draus. Aber ärgerlich ist die fehlende Tiefe in der Auseinandersetzung mit dieser Thematik leider auch. Dies habe ich schon an anderer Stelle anklingen lassen. Ein aktueller Bericht im TV-Magazin WISO bezeugt das leider wieder einmal allzu deutlich.

Wie so oft startet dieser Beitrag mit allenthalben vorgetragenen Plattitüden wie den Folgenden: An sterbenden Innenstädten sei alleine das E-Commerce schuld, Händler gingen wegen „Amazon & Co.“ Pleite, man schicke sich deshalb an „den Internet-Riesen Konkurrenz“ zu machen etc. etc.

Dies möchte ich einem Verbraucher-Magazin, das sich an eine breite Bevölkerungsschicht richtet, nicht ankreiden. Ärgerlich ist etwas anderes: In diesem Falle hat nämlich Herr Prof. Dr. Heinemann, mutmaßlicher Kopf hinter MG.Retail 2020, geschickt eine Werbeveranstaltung für das Modell Mönchengladbach daraus gemacht und ‪WISO‬ ist darauf reingefallen. Ein bisschen mehr Differenzierung darf man sich auch in einem 4-Minuten-Beitrag über lokale Online-Marktplätze schon wünschen.

Dass WISO aber auch noch sagt, Wuppertal hätte „ein Start-up gegründet“, ist dann schon relativ tiefes Recherche-Niveau und grenzt an Diskreditierung. Kein Projekt in diesem Umfeld kommuniziert derart transparent wie wir es in Wuppertal tun – sowohl was den konzeptionellen Ansatz, aber auch die finanziellen Mittel und beteiligten Akteure anbelangt. Denn Transparenz verlangt schon die Förderkulisse als nationales Pilotprojekt.

Im WISO-Beitrag aber fällt kein Wort über Ansätze zur ‪lokalen (Online-)Kaufkraftbindung, über den schwierigen Prozess der Händler-Akquise, über lokale Produktsuche im Netz oder digitales Dachmarketing für den Standort. eBay = Reichweite = Erfolg für den lokalen Handel – so lautet der Tenor des Beitrags. Wenn diese Formel aufgehen sollte und skalierbar für ganz Deutschland ist, dann überreiche ich Herrn Heinemann persönlich den „Friedenspreis des deutschen stationären Einzelhandels“.

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