Wirtschaftspublizist & Innovationsberater
Tel. +49 (0)69 578013 92

Sheego und Zalando unter einem Dach – aber nur befristet

Lässt das stationäre Engagement von Zalando in Frankfurt-Bockenheim erste Federn? Den zahlreich wandelnden Tragetaschen aus dem weltweit zweiten Zalando Outlet Store in der Leipziger Straße nach zu urteilen, wohl eher nicht. Nun aber kommt Bewegung ins Erdgeschoss. Dort ist wieder Temporary Shopping angesagt: mit einem sheego Outlet.

Zalando KIDS gibt ab an Große-Größen-Händler sheego (Foto: Andreas Haderlein)

Zalando KIDS gibt ab an Große-Größen-Händler sheego (Foto: Andreas Haderlein)

Im ehemaligen Frankfurter Studentenviertel Bockenheim vertickert der einstige Pure Player nach wie vor und seit gut einem Jahr Restanten und Saisonware im 2. Stock einer ehemaligen, von einem stadtbekannten Immobilienbesitzer nur zögerlich revitalisierten Warenhausfiliale (mehr dazu →). Aber das Erdgeschoss mit separatem Eingang, wo Zalando eine spartanisch ausgestattete und in der Sortimentstiefe- wie breite eher bescheidene Auswahl an Baby- und Kinderklamotten feilbot, wird nun neu bespielt: von sheego, dem Markenableger des Universalversenders Schwab, der bereits 2014 ankündigte, sein stationäres Engagement zu verstärken.

Ist die Vertriebslinie sheego, die für Damenmode in großen Größen steht, momentan vor allem mit Shop-in-Shops an rund 40 deutschen Standorten vertreten, geht man mit dem sheego Outlet nun ebenfalls den Weg eines – rein an der Sache gemessenen – neuen Multichannel-Betriebstypen namens „Outlet Store“ – in Frankfurt sogar zeitlich vom 5. Juni bis 18. Juli 2015 beschränkt, also als „Temporary Store“.

Beginnt jetzt die „Outletisierung“ der Stadtteillage? (Foto: Andreas Haderlein)

Beginnt jetzt die „Outletisierung“ der Stadtteillage? (Foto: Andreas Haderlein)

Discountisierung vs. Outletisierung

Insofern mausert sich die traditionsreiche Frankfurter Einkaufsstraße langsam, aber sicher zum City-Outlet-Standort der E-Commerce-Fraktion im Einzelhandel: ein Co-Retailing-Space ausgerechnet in einem ehemaligen Leerstands-Krater des strukturellen Wandel macht es möglich! Die Schwab Versand GmbH (also auch sheego) ist eine 100-prozentige Tochter der Otto Group. Man darf also spekulieren, wer und was nach sheego folgt: myToys.de, Limango, Bonprix … Es sei denn, Zalando hat das Erdgeschoss für eine gewisse Zeit untervermietet, um dann ein neues stationäres Konzept zu präsentieren. Auch hier bietet sich Raum für viel Spekulation.

Die Standortwahl jedenfalls spricht für einen weiteren Mieter aus dem logistischen Schwab-Aktionsbereich: „In Hanau befindet sich einer von drei Konzernretourenbetrieben für die Bearbeitung von kleinvolumigen Artikeln“, weiß Wikipedia.

Auf Takko folgt TEDI: Schlimmer geht's nimmer (Foto: Andreas Haderlein)

Auf Takko folgt TEDI: Schlimmer geht’s nimmer (Foto: Andreas Haderlein)

Die Tengelmann Gruppe übrigens spielt bei der Gestaltung von Lebensqualität in der Stadtteillage auch noch mit: In Steinwurfweite zum Zalando Outlet Store schloss Takko Fashion unlängst eine nur wenige Monate überdauernde Filiale. Der Sonderpostenmarkt Tedi ist bereits im Anmarsch, obwohl neben Woolworth und mindestens zwei Import/Export-Läden die Leipziger Straße über die Schmerzgrenze hinweg gut bestückt ist.

Ich jedenfalls würde mir im Gefolge der neuen Generation Retail, für die Zalando und sheego stehen dürften, gerne mehr wünschen als ein Trading-Down der 1A-Lage.