Wirtschaftspublizist & Innovationsberater
Tel. +49 (0)69 578013 92

Was die Welt braucht: myGondola

Wie romantisch! Die Digitalisierung macht auch vor Kitsch keinen Halt. (Foto: Andreas Haderlein)

Wie romantisch! Die Digitalisierung macht auch vor Kitsch keinen Halt. (Foto: Andreas Haderlein)

Venedig ist im Hochsommer wahrlich nicht unbedingt eine Reise wert. Überhaupt hat man in dieser unglaublich schönen und morbiden Stadt ja immer das Gefühl, als Tourist in einer offenen Wunde herumzutrampeln. Im August haben mich Kind & Kegel dennoch für einen halben Tag in die Serenissima geführt. Einen Urlaubsschnappschuss möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: den Gondoliere mit Smartphone im Anschlag.

Die romantische Gondelfahrt gibt es zu dieser Zeit wahrscheinlich genauso wenig wie ein einigermaßen akzeptables Essen in einer Touristenfalle. Aber glauben Sie nicht, es wäre der einzige Gondoliere gewesen, den ich in Venedig smartphone-glotzend bei der Arbeit ertappt habe. Vielleicht wickelt er ja gerade Mobile Payment über Square & Co. ab (aber Barzahlung dürfte ihm lieber sein). Vielleicht pflegt er seine Facebook-Seite (aber Stammkunden hat er wohl kaum). Vielleicht sucht er den Weg mittels Google Map (ha!). Vielleicht erstellt er gerade eine Werbeanzeige in Google AdWords oder eine Mobile-Couponing-Kampagne (haha!). Vielleicht organisiert er gerade das nächste Gondoliere-Verbandstreffen (hahaha!). Vielleicht hat er einfach nur keinen Bock (die armen Kunden!). Die banale Wahrheit ist wahrscheinlich: er checkt die Fußballergebnisse. Und apropos Venedig: „Multichannel“ macht hier ja mal so richtig Sinn!

Wieso auch sollte man diesen ehrbaren Beruf romantisieren? Von den Einzelhändlern verlange ich ja auch das Gegenteil: digitale Kompetenz statt Romantisierung des stationären Handels. Laut Wikipedia verdient ein Gondoliere im Schnitt (und unbestätigt) 500 Euro am Tag. Kein schlechtes Salär. Wenn myTaxi hierzulande Taxifahrer zu Protest-Sternfahrten hinreißen lässt, würde ich glatt in ein Start-up namens myGondola investieren.