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Mobile Payment macht die Kassenzone zur Kundenzufriedenheits-Rampe – nur wann?

Die „Kassenstudie 2014“ liefert keine bahnbrechenden Erkenntnisse, aber wieder einmal einen Grund sich mit Mobile Payment zu beschäftigen.

Die Sau „Mobile Payment“ wird ja schon seit geraumer Zeit durchs fachmediale Dorf getrieben. Und noch immer wissen wir mangels kritischer Masse auf Kundenseite nicht, welches technische System sich durchsetzen (NFC oder QR Code, Plastik oder App) und welcher der Dutzenden von Dienstleistern und Payment-Abwicklern das Rennen machen wird.

Sind es die Insellösungen à la Starbucks oder Edeka. Gibt es eine branchen- und plattformübergreifende Allheilformel (z.B. NuBON)? Werden – mit Blick auf den stationären Handel – Branchenfremde wie Squaire oder PayPal nochmals den Turbo anschmeißen und in die Vertriebsoffensive gehen? PayPal jedenfalls, das ja bereits in Oldenburg eine Testlandschaft für das PayPal QR-Shopping geschaffen hat, hinterlässt nun gemeinsam mit Samsung wieder einmal eine kräftige Duftmarke: Bezahlen per Fingerabdruck.

Oder sind es am Ende des Tages dann doch die üblichen Verdächtigen VISA, Mastercard & Co., die – nicht zuletzt wegen ihrer Beteiligungsstrategie – das größte Stück aus dem Mobile-Payment-Kuchen für sich in Anspruch nehmen werden?

Quelle: handelsdaten.de; EHI Retail Institute

Quelle: handelsdaten.de; EHI Retail Institute

Handelsdaten.de jedenfalls hat das Thema nun zur „Zahl der Woche“ erkoren und Einblicke in die Studie „Kassensysteme 2014“ des EHI Retail Institute gewährt. Der überwiegende Teil der befragten Händler will künftig Mobile Payment anbieten. Zumindest antworteten dies satte 81 % auf die Frage, welche Funktionalitäten außer der Kassenfunktion zukünftig auf den Kassensystemen laufen werden. Was 2012 nur unzureichend abgefragt wurde (Berührungsloses Zahlen, 80 %) und 2010 allenfalls unter die Angaben „Berührungsloses Zahlen“ und „Payment Software“ (jeweils 55,9 %) gefallen ist, könnte sich also in den kommenden Monaten mit neuen Funktionen und Services an der Kundenzufriedenheits-Rampe Kassenzone konkretisieren.

Könnte! Denn da ist er wieder: dieser unsägliche Konjunktiv, der Beraterfolien bunter macht und IT-/Retail-Entscheider zur Weißglut bringt.

Fazit: Die ewige Qual der Wahl

Bleiben wir also auch 2014 vorerst am Boden und nehmen zur Kennntis: Wir haben in Deutschland zu wenig kreative mobile Handelsmarketing-Konzepte. Ausnahmen wie die Smartbonus-App von BUDNI und regionale Kaufkraftbindungs-Apps wie das Escholot in Eschborn bestätigen die Regel. Wer wagt im Internet-Neuland also den großen Wurf ausgerechnet im margenknappen Mobile Payment? Wie steinig der Weg von der Kundenbindung zur konkreten, für Kunden und Händler mehrwertigen mobilen Bezahlabwicklung ist, zeigt nicht zuletzt die technische Historie der NuBon-App.

Für stationäre Händler bedeutet Mobile Payment deshalb auch 2014 vorerst eines: die Qual der Wahl. Denn der Markt wird äußerst fragmentiert bleiben, bis sich breit akzeptierte Verfahren auf den Smartphones (und an der Kasse) etabliert haben. Klar ist, nur durch eine eng abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Banken, Kartenanbietern, IT-Dienstleistern und stationärem Handel wird das Vertrauen auf Seiten der Kunden geweckt. Jede Nachricht über Sicherheitslücken im Mobile Payment oder technische Probleme bei der Abwicklung am Kassentresen wird Kunden davon abhalten, ihr kartenbestücktes Portemonnaie mit gutem alten Bargeld zuhause zu lassen. Wenn es einen konkreten Ratschlag gibt, dann dieser: Die Kasse der Zukunft muss atmen können, um im dynamischer werdenden Payment-Markt anschlussfähig zu bleiben.

1 Kommentar
  1. Das Interesse daran ist sicherlich da, allerdings machen sich auch viele Sorgen um die Sicherheit der eigenen Daten. Dies allein ist für viele auch ein Grund erst gar nicht auf mobile Payment zurückzugreifen, auch wenn die Möglichkeiten vielerorts mittlerweile vorhanden sind.