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Zalando Outlet bald in Frankfurt – und in direkter Nachbarschaft zum Kochhaus

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Wieder ein Magnet in Bockenheim? In der ehemaligen Warenhausfiliale macht sich voraussichtlich im Sommer 2014 Zalando auf 1000 qm breit. (Foto: Andreas Haderlein)

Die Leipziger Straße im Frankfurter Stadtteil Bockenheim ist nicht nur eine schmucke Einkaufsstraße in einem lebenswerten Viertel. Sie ist – das habe ich schon mehrmals anklingen lassen – das Retail Lab vor den Türen meines Büros. Hier geschieht mitunter das, was vielen High Streets noch blüht – im positiven wie im negativen Sinne. Strukturwandel, Warenhauskrise, Leerstand, Discount-Bäckereien, unzählige Handyläden, Schließung von traditionellen Fachgeschäften, aber eben auch: neue Flächenkonzepte und Sortimente, blühende Hinterhöfe oder (gleich zwei) Bio-Supermärkte. Um es anders auszudrücken: Die Leipziger Straße ist eine Werkstatt der Konsumkultur.

Das Kochhaus hatte hier im letzten Jahr seine bisher einzige Filiale in der Rhein-Main-Region eröffnet. Und auch wenn die Frequenz im „begehbaren Rezeptbuch“ augenscheinlich höher sein könnte, hält das einen ganz Großen des E-Commerce nicht davon ab, hier den zweiten stationären Anker neben einem Standort in Berlin zu werfen: Zalando.

Über die strategische Bedeutsamkeit der stationären Ambitionen von Internet-Händlern habe ich mir mit Blick auf Zalando, Google oder Ebay  schon hier und in meinem Buch (S. 32 ff.) Gedanken gemacht.

Der FAZ zufolge zieht Zalando nun in eben jene vor allem durch Zwischennutzung geprägte und nur zögerlich revitalisierte Ex-Warenhaus-Immobilie, in der neben dm-drogeriemarkt und Kochhaus alle Jahre wieder zu Weihnachten ein temporärer Kunstsupermarkt und zwei improvisierte „Verkaufsnischen“ mit Gemüse und Käse eingerichtet sind. Letzteren dürfte – zum Leid vieler Bockenheimer – wohl der Mietvertrag gekündigt worden sein.

Dass der einstige Internet-Pure-Player Zalando nun im ehemaligen Studentenviertel Bockenheim mit einem dauerhaften stationären Angebot vertreten ist, ist allerdings schon ein mächtiger Paukenschlag für die ortsansäßigen Händler. Eine derart starke Marke wird garantiert für zusätzliche Frequenz im Stadtteil sorgen, zumal die FAZ dem Unternehmenssprecher die Worte „cooler, schicker Laden“ abgerungen hat.

Laut FAZ sollen zwar „stark reduzierte Saisonartikel“ und eben retouren-geplagte Waren auf der Resterampe landen, aber der Frankfurter Standort mit 1000 qm wird eben auch ein größeres Kindermode-Sortiment aufweisen als der Berliner Outletladen, wie die TextilWirtschaft schreibt. Außerdem soll hier nicht die als Marketinghebel konzipierte Zugangsbeschränkung für Ladenbesucher gelten wie in Berlin. Dort hatte Zalando nämlich mit limitierten Outlet Cards die Begehrlichkeiten und Frequenzen gesteuert.

Die Befürchtung, das Zalando Outlet könne die benachbarten Schuhhändler in den Ruin treiben, mag schlüssig sein, aber gerade an diesem Standort unbegründet. Denn schon lange sind Schuhe in Bockenheim bis auf einen reinen Schuhhändler in den Randsortimenten verschwunden.

Ich persönlich wünsche Bockenheim jedenfalls, dass der Krater, den die ehemalige Kaufhoffiliale hinterlassen hat, nun endlich zugeschüttet wird und Zalando-Kunden mit ihren Schnäppchen nicht sofort in der U-Bahn verschwinden. Besonders gespannt bin ich auf etwaige Multi-Channel-Services am neuen Standort. Berichte und Testkäufe dazu gibt es nach der Eröffnung.