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Amazon kopiert Drohnen-PR von Domino Pizza

Ehrlich gesagt, mir geht der vorweihnachtliche Kaufteuchdochonlinedummunddämlich-Kanon ziemlich auf die Nerven: Black Friday, Cyber Monday und andere lärmende Rabattschlachten bringen mich zumindest nicht dazu, schon Anfang Dezember Geschenke einzukaufen. Ich werde wie eh und je ein bis zwei Tage vor der Bescherung mir die Hacken in der City ablaufen und nervös auf die rechtzeitige Auslieferung diverser Kurzvorknapp-Bestellungen ins Büro warten.

Und dennoch: Wir erwarten das umsatzstärkste Online-Weihnachtsgeschäft aller Zeiten. Klar, dass hier die Online-Riesen die mediale Lufthoheit erobern müssen. Mit geschickter PR haben es Zalando und Amazon bereits in die Schlagzeilen geschafft – Amazon mit dem Zukunftsservice „Prime Air“ sogar auf die Titelseite der BILD. Dabei ist die Auslieferung per Drohne ein PR-Gag, den sich bereits Domino Pizza erlaubt hat. Amazon ein billiger Kopist? Was den PR-Ansatz anbelangt, sicherlich schon. Allerdings denken mittlerweile auch DHL und UPS über die moderne Brieftaube nach.

Als ich in meinem diesjährigen Vortrag auf dem Österreichischen Versandhandelstag „Innovationen auf der Letzten Meile“ zum Thema machte und diesen Abschnitt augenzwinkernd mit dem „Domicopter“ illustrierte, ahnte natürlich niemand, dass bald auch Amazon mit diesem Gedanken auf Klickfang gehen würde. Mittlerweile wurde das YouTube-Video fast 10 Millionen Mal abgespielt. Dass hinter der Drohnenlieferung aber auch substanzielle Ansätze stecken, hat Olaf Kolbrück von etailment lesenswert zusammengefasst.

Gemeckert: Ich habe ganz gewiss nichts gegen gute Kommunikationsstrategien, insbesondere wenn es sich um den Handel dreht. Aber ich habe etwas gegen das Schweigen des stationären Handels (und nicht der Lämmer). Wo sind sie denn, die intelligenten, aufmerksamkeitsstarken und coolen Kampagnen von Karstadt, Breuninger & Co. Wo ist der Handelsverband mit einer gebrochenen Lanze für den Shop um die Ecke? (Aktuelle Pressemitteilung des HDE vom 4. Dezember: „Große Koalition: Händler fordern Entlastung bei Energiekosten.“ Gähn! ‎Glaubt man denn tatsächlich, die werten Kunden werden auch in diesem Jahr scharenweise in die Läden strömen? Wahrscheinlich schon. Nur muss mir dann mal jemand erklären, was es mit der gestiegenen deutschen Kaufkraft auf sich hat. Frohes Shoppen!