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Pakt mit dem Teufel? Wenn Pure Player beim stationären Händler anklopfen

Teufelspakt

Verführerische Umarmung (© Texelart – Fotolia.com)

Der Online-Handel kann nicht „ohne“. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man die jüngsten Handelsnachrichten verfolgt. Mister Spex hat mittlerweile ein Netzwerk von über 340 stationären Partner-Optikern aufgebaut, um den Online-Brillenverkauf mit Services zu stützen und anzukurbeln. Ebay kooperiert in Großbritannien mit dem Vollsortimenter und Multichannel-Vorreiter Argos, damit Ebay-Shopper ihre Ware auch in den Argos-Läden abholen können.

Interessant ist, dass Argos-Chef John Walden sein Unternehmen zum „digitalen Vorreiter“ machen will – was auch immer dies mit Blick auf Ebay und die stationäre Konkurrenz bedeuten mag (siehe BBC-Video und O-Töne unten). Wie auch immer, in den USA hat Ebay für diesen In-Store Pickup bereits Toys “R“ Us und Best Buy als Partner gewonnen. Und mit den jüngsten (PR-)strategischen Schritten (Shutl-Deal und Ebay Now oder auch das Ebay-Studienprojekt „Zukunft des Handels“) hat Ebay ohnehin mehr Zug zum Local Commerce als Konkurrent Amazon.

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Der Multi-Channel-Kümmerer: Ebay und sein Projekt „Zukunft des Handels“

Aber auch Amazon verkündete unlängst, US-Buchhändlern attraktive Provisionen für den (stationären) Vertrieb des E-Readers Kindle einzuräumen. Ob das strategische Projekt mit dem Namen „Amazon Source“ auch in Deutschland implementiert werden kann, bleibt freilich zu bezweifeln. Schließlich stieß hierzulande auch die Tolino-Allianz um Thalia, Hugendubel & Co. auf Widerstand im unabhängigen Buchhandel.

Relativ selten hingegen klopfen stationäre Händler bei den Online-Kollegen an. Warum eigentlich? Und wenn, dann scheint die Partnerschaft nicht von Dauer. Beispiel gefällig? Primark ließ sein Engagement beim Online-Händler Asos sein und geriert sich nun gar als Retter der High Street. Primark-Finanzchef John Bason ist – Innenstadtverödung hin oder her – jedenfalls ziemlich überzeugt: „Some people have suggested we could see the death of the high street but that’s a remote possibility in our minds.“

Ist das Online-Gespenst also nur ein Teufelchen oder ist der Pakt zwischen On- und Offline-Retailer eine nüchterne Zweckgemeinschaft, die zeigt, dass wir endgültig im „Bricks & Clicks“-Zeitalter angekommen sind? Mich interessiert Ihre Meinung.