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Systemgastro-Pilot „MADE by REWE“ schmeißt den Herd an zieht den Stecker

Update: Im August 2014 hat REWE sein systemgastronomisches Experiment in Köln beendet und zieht die Herdstecker. Der Supermarktblog kommentiert dies folgendermaßen: „Das gastronomische Erlebnis war gar keins: Statt frischem Essen gab es Curry aus der Plastikpackung und vorbereitete Salate zu üppigen Preisen. Der Anschluss an die Supermärkte wurde nicht optimal genutzt, um Kunden zu gewinnen. Die ‚Smart People – Ready to Cook‘-Gerichte sind frühzeitig aus den Regalen verschwunden. Konkrete Initiativen, um nachzubessern und das Konzept doch noch zu retten, waren zuletzt nicht erkennbar.“ Der Heidelberger Made-by-REWE-Standort wird offensichtlich nicht geschlossen, weil im Markt integriert. Wie die Lebensmittelpraxis zu berichten weiß, wird REWE in Berlin den Piloten „Oh Angie“ starten. Ist anscheinend wirklich kein Witz! Vielleicht will man aber künftig auch jede Falschinterpretation von „Made“ vermeiden. Glipschiges Larvengetier im Rewe-Markt, wer will das schon?!
Foto: Rewe

Foto: Rewe

Mit großer Spannung erwartet, öffnete REWE am gestrigen 3. September die Pforten zum ersten systemgastronomischen Angebot des Lebensmitteleinzelhändlers. MADE by REWE heißt es und nicht nur der Blick auf die Website verrät, REWE kann auch sexy. Das im italienischen Flair gehaltene, 200 Quadratmeter große Restaurant am Kölner Waidmarkt ist integraler Bestandteil des angrenzenden REWE Supermarktes mit 1100 Quadratmetern. Lionel Souque, Vorstandsmitglied der REWE Group, dazu in der Pressemitteilung:

MADE by REWE ist für uns der konsequente Schritt, Supermärkte in hochfrequentierten Lagen verstärkt zu sozialen Treffpunkten zu machen, wo unsere Kunden neben dem Lebensmitteleinkauf auch vom Außer-Haus-Verzehr profitieren können.

MADE by bei REWE

Die Handschrift von Vapiano-Gründer Mark Korzilius, den der REWE-Chef Alain Caparros für dieses Projekt an Bord geholt hatte, schlägt auf den ersten Blick durch. Und vielleicht hat der Systemgastro-Innovator insgeheim sogar ein kleines Experiment auf die Strecke gebracht, das wir bald auch bei Vapiano sehen werden. Denn mit „smart people – ready to cook“ wurde eine Produktlinie eingeführt, die irgendwo zwischen Kochhaus und Vapiano liegt. Der Kunde kann ein gesamtes Rezept fertig eingetütet zur Selbstzubereitung kaufen. Und weil Kochen der neue Porsche ist, kann er seine Convenience-Künste auch gleich in der angeschlossenen Showküche zum Besten geben – „Made BEI Rewe“ sozusagen – und das Gericht natürlich vor Ort verzehren. Laut REWE sollen „Smart people“-Produkte bald auch in konventionellen REWE-Märkten im Regal stehen – und werden damit womöglich auch über den Online-Versand erhältlich sein. Damit würde REWE in die Kerbe von Kochhaus, Schlemmertüte und anderen Convenience-Lieferservices schlagen. Einen weiteren Teststandort für MADE by REWE wird es in Köln-Zollstock geben. Verläuft der Praxistest am Kunden positiv, werden weitere Eröffnungen folgen. Der LEH wird bunter, soviel steht fest.

Foto: Rewe

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Innovationsführer REWE

Langsam aber sicher mausert sich REWE zum Antreiber des hierzulande bislang relativ wenig innovationsfreudigen Lebensmitteleinzelhandels. Angesichts des hohen Margendrucks in der Branche ist diese Zurückhaltung zwar mehr als verständlich, aber Wegducken ist angesichts des demografischen Wandels, zunehmender Urbanisierung und der prägenden Rolle des Online-Handels sicherlich nicht das beste Rezept. Und das hat Alain Caparros sehr gut erkannt. Er zeigt Mut und Umsetzungsstärke: Mit REWE City (innerstädtische Nahversorgung), TEMMA (Bio) oder REWE to go (Convenience Store) reagierte man schon passabel auf gegenwärtige Konsumtrends. Auch die vermeintliche Totgeburt Lebensmittel-Online-Handel nimmt in den Ballungsgebieten Schwung auf. Etailment vermeldete unlängst, dass die Waren-Auslieferung in Frankfurt an ihre Grenzen stößt und sich Online-Shopper besser schon bis Donnerstag für ihren Einkauf und einen Liefertermin am Wochenende entschieden haben sollten.