Wirtschaftspublizist & Innovationsberater
Tel. +49 (0)69 578013 92

Lokaler Werbemarkt: Google wirft das Lasso aus

Ein Viertel aller Suchanfragen in der größten Suchmaschine der Welt haben lokalen Charakter. Auch wenn diese Aussage anno dazumal von Google selbst in die Welt gesetzt wurde, wissen wir alle, wie wichtig das Internet heute bei der Orientierung zwischen A und B geworden ist. Die Vorherrschaft in den lokalen Werbemärkten erlangt der, der mit bestens vernetzten Diensten stationäre Anbieter zu Abhängigen macht. Google wirft das Lasso aus.

Der mächtige Konzern hat nicht ohne Grund in der letzten Zeit viel Geld in den Ausbau der lokalen Dienste gesteckt. Der lokale Werbemarkt wird als eine der lukrativsten Erlösquellen der Zukunft gehandelt. Yelp, das US-amerikanische Vorbild der lokalen Bewertungsplattform Qype, lehnte sogar ein Übernahmeangebot in Höhe von 550 Millionen US-Dollar durch Google ab.

Immerhin 125 Millionen US-Dollar legte Google dann für die Restaurantbewertungsseite Zagat auf den Tisch. Ende Mai 2012 führte der Suchmaschinenriese in seinem sozialen Netzwerk Google+ die Rubrik „Local“ ein, in der nicht nur Tipps von Freunden zu örtlichen Geschäften zu finden sind, sondern auch die Daten aus Zagat und die kompletten Google-Places-Einträge. Der Social-Media-Experte Philipp Steuer ordnet die Bedeutung dieses Schrittes folgendermaßen ein:

Lokale Unternehmen [sollten] schon jetzt einen verstärkten Fokus auf ihre dortige Präsenz legen, denn in Zukunft wird kaum ein Weg an Google+ Local vorbeiführen.

Wieso Sie in Zukunft nicht mehr an Google vorbeikommen

Wenn Google im lokalen Werbeumfeld nur halbwegs das gelingt, was dem Konzern mit AdWords im Globalen gelungen ist, dann können wir wirklich von „Pretailing“ reden. Meines Wissens nach brachten die Unternehmensberater von Gartner diesen Terminus vor ein paar Jahren ins Spiel, um das zunehmende RoPo-Verhalten (Research Online/Purchase offline) von Shoppern zu beschreiben. Ich verstehe darunter zugespitzt: Was du auf deinem Smartphone auch tust, Google verdient mit daran.

alsterhaus-indoor

Das Alsterhaus (Karstadt) ist in Deutschland eine der ersten Adressen, die ihren Grundriss für Google Indoor Maps zur Verfügung gestellt hat (Bildquelle: Google Maps; Andreas Haderlein, screenshot)

In den nächsten Monaten und Jahren wird es deswegen spannend zu sehen, wie Google zunehmend seine Maps und die enthaltenen Bewertungen von Geschäften und Dienstleistern mit den Innenraumkarten (Google Indoor Maps) verknüpft. Einige Händler, Flughäfen und Center haben ja bereits ihre Grundrisse Google zur Verfügung gestellt. Dass großflächige Locations (DIY-Märkte, Shopping Center, Möbelhäuser, Warenhäuser, Travel Retail etc.) eher zu den Google-Partnern zählen werden, liegt auf der Hand. Die Indoorkarten sind bis jetzt allerdings nur für Android-Geräte und Google Maps Mobile ab Version 6.0 verfügbar.

Mit Google „Lokales Shopping“ steht auch noch die Digitalisierung des stationären Warenbestands für den Suchmaschinenriesen an. Die direkte Ansprache der Smartphone-Kunden vor Ort ist der logische nächste Schritt. Neben Promotion und Couponing (auch dieses Thema hat Google mit Zavers für sich entdeckt) dürften auch Bewertungen noch mehr an Relevanz gewinnen. Denn je näher der Kaufanreiz am PoS liegt – etwa durch eine regalgenaue Produktverfügbarkeitsabfrage – um so höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde zugreift (oder die Ware im Regal stehen lässt). Woher dann auch noch die in Echtzeit ausgelesenen Produktbewertungen kommen, wage ich mir gar nicht auszumalen. Aber Google wird sie sich mit Sicherheit etwas kosten lassen.

In meinem Buch habe ich das Szenario „Digital Location Manager“ (S. 67) an die Wand geworfen. Ich glaube, wir sind dieser hypothetischen Stellenausschreibung näher als es uns lieb ist. Denn was bedeuten öffentlich zugängige Innenraumkarten für den stationären Handel? Wie bei allen ortsbasierten Diensten von Google müssen Location-Betreiber nichts für ihre Präsenz in Google+ oder Indoor Maps bezahlen – noch. Allerdings sollten sie künftig Betreuungs- und Pflegezeiten für digitale Karten von Shops und Regalwegen sowie für die die zeitnahe und exakte Digitalisierung der Warenbestände einplanen. Kreatives Location-based Marketing jenseits von Foursquare & Co. könnte dann endgültig den Kinderschuhen entwachsen sein. Ein Eldorado für Business-Intelligence-Dienstleister ist es allemal.

Das Thema „Indoor Maps“ werde ich auch in meiner Keynote auf dem Loyalty Kongress/Deutschen Handels-Werbekongress am 20. Februar 2013 näher unter die Lupe nehmen.

Handelswerbekongress-2013-580x249