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Buch-Update: Stylebob, E-Food, Qype/Yelp, digitaler Kassenzettel, Mobile Couponing, Passbook und „Geistermärkte“

Die digitale Wirtschaft ändert sich und wächst rasant. Man kann es deshalb als utopisch ansehen, zu einem Thema wie Multichanneling im Einzelhandel ein „aktuelles“ Buch zu schreiben. Aus diesem Grund finden Sie hier in regelmäßigen Abständen Hinweise, Ergänzungen und Aktualisierungen zu meiner Veröffentlichung „Die digitale Zukunft des stationären Handels“ – übersichtlich geordnet nach Kapiteln und mit Seitenzahlangabe.

Einleitung/Retail ist cool

Shop-Neueröffnungen: Immer mehr reine Internethändler suchen den stationären Anschluss (S. 32 f.). Die Gründe mögen unterschiedlich sein, der Trend aber hält an. Im Trendradar habe ich bereits über den Berliner Showroom von FASHION FOR HOME berichtet. Nun hat auch das Münchner Shopping-Portal für Designer-Mode Stylebob stationäre Bodenhaftung. In Koblenz (Schloßstraße 9) eröffnete man unlängst den ersten Showroom mit 240 Quadratmetern. Weitere sollen folgen. Interessant dabei: Stationär werden auch Marken geführt, die es nicht im Online-Store gibt.

Nummer 3: Ein alter Hase unter den ehemaligen Pure Playern, notebooksbilliger.de (S. 36), scheint hingegen bereits substanziell auf Multichanneling zu setzen. In einer Düsseldorfer 1b-Lage unweit einer Saturn-Filiale will man das dritte und größte Ladengeschäft neben den Standorten München und Sarstedt eröffnen.

Einleitung/Wachstumsmotor E-Commerce

E-Food: In meinem Buch äußere ich mich relativ skeptisch gegenüber den Erfolgsaussichten von Online-Lebensmittelhändlern (S. 26). Der Online-Supermarkt Froodies findet zudem auf S. 56 Erwähnung, wo ich mich mit der Problematik bzw. Chance Verfügbarkeit und Auslieferung auseinander setze. Froodies ist in diesem Fall bereits Geschichte: Im Sommer meldete das Start-up Insolvenz an. Dies bedeutet allerdings nicht, dass E-Food gänzlich zum Scheitern verurteilt ist. Der Nischenanbieter Gourmondo.de etwa wurde durch den Online-Supermarkt lebensmittel.de übernommen und firmiert nun unter dem Namen Gourmondo Food GmbH. An welchen Hebeln im E-Food-Markt derzeit Hand angelegt wird, ist sehr gut von Olaf Kolbrück beschrieben.

Kap. 2/Lokale Bewertungsplattformen

Übernahme: Qype, das größte deutschsprachige, aber auch europäische Bewertungsportal für lokale Händler und Dienstleister gehört nun zu Yelp, dem us-amerikanischen Vorbild, das seinerseits mit großer Macht nach Europa drängt. Im Buch konnte ich nur andeuten, dass eine Übernahme wahrscheinlich ist. Nun ist sie spruchreif. Für Händler könnte diese Konzentration allerdings für etwas Erleichterung beim Umgang mit Einträgen in Bewertungsportalen sorgen (S. 62 f.). So werden ja bereits Qype-Bewertungen in den Google-Places-Einträgen ausgelesen. Apple wiederum integriert bereits Yelp in seinem eigenen Kartendienst. Beide Partnerschaften aber sind auch problematisch zu sehen: Will Google wirklich die Nähe zu Qype-Yelp-Apple? Und liegt die jüngste Kritik an Apples hauseigenem Kartendienst nicht auch an den teils ungenauen und zuvorderst nutzergenerierten Location-Daten von Yelp? Es bleibt also spannend.

Kap. 2/E-Mail-Marketing

Kassenzettel: An verschiedenen Stellen in meinem Buch spreche ich das Thema „Digitaler Kassenzettel“ an (insbesondere S. 70 und 128). Hier werden sich in Zukunft eine Reihe von Kunden-Services und letztlich Kundenbindungsmaßnahmen andocken lassen. Ein erstes Pilotprojekt hierzulande initiierte der App-Anbieter Reposito, der sich die Digitalisierung von Belegen und Rechnungen auf die Fahnen geschrieben hat, mit der „Euronics XXL Mega Company“. Daniel Kirberg, Geschäftsführer in fünf Euronics-XXL-Märkten in Süddeutschland über das Projekt: „Wir erhoffen uns, dass wir (…) zukünftig unsere Kunden mit geringerem Aufwand individuell ansprechen können, um die Kundenbindung zu stärken. Beispielsweise könnten wir Software-Updates, neues Zubehör oder Garantieverlängerungen anbieten.“ Euronics-XXL-Kunden können einen Barcodes auf dem Kassenbeleg scannen und so die Quittung mit der Reposito-App archivieren. Gleichzeitig erhalten sie damit einen digitalen Coupon, der beim nächsten EInkauf eingelöst werden kann. Zettelwirtschaft adé! Besonders komfortabel ist, dass der Coupon in die zentrale Verwaltung Passbook auf dem iPhone wandert und so bequem durch Vorzeigen des Smartphones am PoS eingelöst werden kann. Diese Variante des Mobile Couponing wird derzeit in Euronics-XXL-Märkten rund um den Bodensee getestet.

dm E-Bon: Ebenfalls auf den „E-Receipt“-Zug ist nun auch die dm drogerie gesprungen. Ab sofort ist es Payback-Kartennutzern möglich, die Kassenzettel auch digital zu hinterlegen bzw. per Mail zu erhalten. Kunden müssen sich hierzu auf der entsprechenden Website zum Service „dm E-Bon“ anmelden. Wie es sich für dm gehört, geht es bei diesem Service natürlich nicht nur um Kundenservice, schnellen Kassendurchlauf und Kostenersparnis, sondern auch um Nachhaltigkeit (weil weniger Toner und Papier verbraucht wird). Persönlich hoffe ich ja bereits, dass die lästige Frage „Brauchen Sie den Beleg?“ mittelfristig überall auf den Friedhof der Kassenkommunikation landet. Bei EC-Kartenzahlung wird allerdings auch bei der dm immer noch gedruckt. So schnell kann es gehen. Am 30.11.2012 verkündet die dm drogerie, dass nun auch bei EC- bzw. Kreditkartenzahlung kein Kassenbon mehr ausgedruckt werden muss. Landet bei Teilnahme am E-Bon-Verfahren alles per PDF im E-Mail-Postfach. Aber selbstverständlich kann man sich den Zettel auch noch ausdrucken lassen.

Kap. 3/Mobile Couponing

Mehr Reichweite und Passbook-Integration: Der deutsche Mobile-Couponing-Pionier Coupies (S. 86 f.) konnte mit McDonald’s ein Schwergewicht der Systemgastronomie als Werbekunden gewinnen. Die „2 für 1“-Kampagne dürfte dem Unternehmen aus Köln einen ordentlichen Reichweitenschub verpassen. In den Anfangszeiten des Start-ups war es bereits der Hähnchenbrater KFC, der zumindest die mediale Aufmerksamkeit auf das Thema digitale Rabattmarken erhöhte. Außerdem lassen sich seit Oktober 2012 bestimmte Coupons (z.B. für Geschenkkarten aus dem Telekom Shop) auch im Apple Passbook speichern und einlösen. Damit zählt Coupies (noch) zu den wenigen Apps in Deutschland, die diesen Technologievorsprung für sich nutzen. Die Lösung für digitale Bonuskarten „10stamps“ etwa ist ebenfalls Passbook-ready. Auch Reposito (siehe oben) überträgt Kassenzettel-Coupons an Passbook.

Kap. 5/M-Commerce

Der Geistermarkt kommt: Das QR-Shopping-Plakat wurde seit dem ersten Tesco-Pilotversuch in Südkorea von zahlreichen Händlern in mal mehr mal weniger erfolgreicher Weise kopiert (S. 131 f.). etailment berichtet nun, dass der größte chinesische E-Commerce-Anbieter Yihaodia unter der Marke „Unlimited Yihaodian“ landesweit 1.000 virtuelle Supermärkte eröffnen will. Wobei „virtuell“ nicht ganz richtig ist: Untergebracht in „Freiflächen“ von bis zu 1.200 Quadratmetern sollen diese Verkaufsorte nur mit Displaywänden ausgestattet sein. Kunden können darin also mit dem Smartphone entlang von immer gefüllten Bildregalen und -auslagen einkaufen. Die Ware wird nach dem Kaufabschluss natürlich nach Hause geliefert. Pikant wird diese Sache, wenn man bedenkt, dass Wal-Mart bald die Mehrheit an Yihaodia hält. Der Export des Konzeptes in den Westen ist also durchaus wahrscheinlich.

Kap. 5/Mobile Payment

Kampf um einen Zukunftsmarkt: Mobiles Bezahlen mit dem Smartphone, die sog. E-Wallet, ist das Hype-Thema schlechthin. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein weiterer Dienst, ein weiterer (etablierter) Player aus dem Payment-Geschäft ein Stück vom Kuchen abhaben will. Besonders interessant ist nun natürlich zu sehen, wie Großkaliber Paypal bzw. Ebay (S. 132) seinen strategischen Fokus auf den stationären Handel ausweitet und gegen Konkurrenten aus der klassischen kartenbasierten Zahlungsabwicklung an Boden gewinnen will. Der Senkrechtstarter Square (S. 129) ist mittlerweile Partner für die Mobile-Payment-Lösung von Starbucks. Beim schwedischen Square-Klon iZettle ist mittlerweile American Express als Investor eingestiegen. Paypal ist nun in Frankreich mit einem Pilotprojekt bei McDonald’s gestartet (Quelle: ChannelPartner). In 30 Filialen können dort zuvor per Paypal-Payment-App bezahlte Burger-Menüs an einem Schnellschalter abgeholt werden. Wie auch Apple setzt Paypal bewusst nicht auf NFC-Technologie. Wer zu diesem Komplex Berater-Know-how studieren will, dem empfehle ich ein Whitepaper von Mücke Sturm & Company.