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Verkapptes Couponing oder Shopping-Thrill? GETTINGS Explore setzt auf spielerische Werbung am PoS

Screenshot aus der App GETTINGS

Bildquelle: screenshot, AH

Im 3. Kapitel meines neuen Buches gehe ich unter dem übergreifenden Aspekt „Kunden verführen“ auf diverse Location-based Services wie Foursquare oder SCVNGR ein. Ortsbasierte Dienste werden heute via Smartphone (und Check-in-Prinzip) zum Brückenbauer zwischen Produkterfahrung am PoS und spielerischer Werbung – sei es Promotion, Abverkauf oder Kundenbindung. Nun wagt sich die E-Plus-Tochter Gettings GmbH auch hierzulande an diese neue Spielart des Handelsmarketings heran.

„GETTINGS Explore“, so der Name einer der drei neu konzipierten App-Produkte der Gettings GmbH, setzt auf das gehypte Pferd „Gamification“. Die erste Kampagne läuft in dm-Drogeriemärkten, ist ein smartphone-basiertes Gewinnspiel und sieht wie folgt aus:

  • Kunden scannen in einem beliebigen dm-Drogeriemarkt den Barcode der „bebe Young Care“-Pflegeserie „quick & clean“.
  • Ein digitales Rubbellos erscheint auf dem Screen des Smartphones und muss – will man am Gewinnspiel teilnehmen – freigerubbelt werden.
  • Mit etwas Glück erhält der Kunde 1 von 10.000 „quick & clean“-Produkten gratis. Eine Vorlage des Gewinnloses an der Kasse reicht.

Die Kampagne läuft vom 7. September bis 5. Oktober 2012. Mit einigen Einschränkungen (Teilnahme erst ab 16 Jahren; max. drei Rubbelversuche pro Tag) ist die Kampagne relativ selbsterklärend. Die kundenseitigen Hürden dürften also niedrig sein, zumal ja eine Klientel der Altersklasse 16 plus angesprochen wird.

Interessant finde ich bei solchen Marketing-Aktionen immer die Reaktion der Mitarbeiter vor Ort. Sind Verkaufshilfen über die Kampagne informiert? Funktioniert das Clearing an der Kasse reibungslos? Wo steht das beworbene Produkt? Wie wird auf die LBS-Kampagne im Laden hingewiesen? Wie reagieren „normale“ Kunden auf Kunden mit Smartphone im Anschlag? Ein dm-Markt befindet sich in Fußweite meines Büros. Feldforschung wird also nachgereicht.

Verkapptes Mobile Couponing

Die Gettings GmbH ist beileibe nicht das einzige Unternehmen in Deutschland, das sich im Gewand des Location-based Services an die werbungtreibende Industrie und letztendlich an smartphone-bewaffnete Shopper auf der Suche nach „Vorteilsangeboten um die Ecke“ richtet. Denn letztlich ist Gettings ein weiterer der vielen Mobile-Couponing-Anbieter, die mittlerweile am Markt sind. Die strategische Partnerschaft mit dem Clearing-Spezialisten acardo steht auch technisch für den Mobile-Couponing-Ansatz. Spannend wird es allerdings, wenn sich das Ende 2010 gegründete Unternehmen an weitaus spielerischere Formen der mobilen PoS-Werbung herantraut. Denn daran hat sich hierzulande schon der eine oder andere Dienst die Finger verbrannt.

Ich denke hier etwa an Dailyplaces, das unter anderem über virtuelle Investitionen der App-Nutzer in bestimmte Locations (aus Gastronomie, Hotellerie und Retail) Programme zur Kundengewinnung und -bindung aufsetzen wollte – letzten Endes aber an der Reichweite und den deutschen „Check-in-Muffeln“ scheiterte. Auch der Dienst wynsh ist zu erwähnen. Mit der gleichnamigen Smartphone-Applikation wird das Mobile-Couponing-Prinzip von hinten (d.h. vom Kunden her) aufgezäumt: Rabatte werden am PoS auf Produkte gewährt, die der Kunden tatsächlich haben möchte, eine Art Preisverhandlungswundermaschine. Ein aufschlussreiches Interview mit dem Start-up-Gründer Marc Schweiger findet sich auf mobilbranche.de.

Noch ist GETTINGS Explore nur ein netter Showcase. Die nächsten 12 Monate werden zeigen, ob derartige Werbemodelle hierzulande angenommen werden. Fakt ist, SCVNGR hat in den USA mit Partnern wie Coca-Cola das Location-based Gaming bereits in Reichweitendimensionen gehievt, die in Deutschland reines Wunschdenken sind. Boris Lücke, Geschäftsführer der Gettings GmbH, wird in mobilbranche.de dennoch mit ambitionierten Zielen zitiert:

Unser Ziel ist es, Gettings zum wichtigsten Service rund um Shopping und Konsum zu machen. Die Kunden brauchen nur noch eine einzige App, wenn es um Location-based Services geht.

Mehr zu den Themen „Mobile Couponing: Die Renaissance der Rabattmarke“ und „Check-in: Das Hier bin ich der Internetnutzer“ finden Sie in Kapitel 3 meines neuen Buches Die digitale Zukunft des stationären Handels: Auf allen Kanälen zum Kunden, das seit Mitte September 2012 erhältlich ist.

1 Kommentar
  1. Olaf Kolbrück vom etailment-Blog hat Zahlen zur Bebe-Kampagne zusammengetragen:
    „Bundesweit betrachtet brachte die Aktion […] 10 Unique User aus der Zielgruppe [14–29 Jahre] pro Filiale.“
    Seine Bilanz fällt dementsprechend nüchtern aus. Mehr dazu hier: http://etailment.de/2012/bebe-young-care-so-lockt-location-based-services-in-den-laden/