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Konsumkrücke Smartphone: Neue Studie des ECC Handel zum Mobile Commerce

Quelle: ECC Handel, 2012

Es gibt wieder Futter für alle Multikanal-Aficionados. ECC Handel hat in Kooperation mit PayPal und Shopgate neue Zahlen zum smartphone-gestützten Shopping-Verhalten der Deutschen vorgelegt.

Auch wenn die zentralen Erkenntnisse eher banal und mit gesundem Menschenverstand auch ohne Befragung nachvollziehbar sind („Die Informationssuche mit Smartphone und Tablet ist die am meisten genutzte M-Commerce-Funktion“, „Aufwändige Bestell- und Registrierungsprozesse führen zu Kaufabbrüchen“, „Datensicherheit, Kostentransparenz und Übersichtlichkeit sind wichtigste Erfolgsfaktoren“), lohnt ein Blick in die gut 60 Seiten starke Studie allemal. Sie steht zum kostenfreien Download bereit.

Der aufmerksame Leser wird sich dann zum Beispiel auf Seite 35 fragen, warum um Himmels Willen testete Pampers resp. Procter & Gamble im Juli 2012 QR-Shopping-Großplakate in Frankfurt? Satte 40,9 Prozent der Smartphonenutzer geben nämlich an, Codes auf Plakatwänden, die man scannen kann, um die Produkte mit dem Smartphone zu kaufen, hätten sie noch nicht genutzt und würden sie auch in Zukunft nicht nutzen.

Meine persönliche Antwort: Marktforschung taugt nur bedingt, um künftiges Nutzerverhalten zu prognostizieren. In manchen Köpfen wirkt sie gar als Bremskraftverstärker für Innovationsprozesse. Außerdem eignen sich manche Produkte mehr, manche eben weniger fürs QR-Shopping. Pioniere wie Tesco (QR-Codes in südkoreanischen U-Bahnschächten) oder hierzulande Emmas Enkel (Einkaufen an der QR-Code-Wand) zeigen, dass insbesondere im Einzelhandel vor allem Mut eine Tugend ist. Mut, Kunden nicht nur entgegenzukommen, sondern sie auch ein Stück weit zu „erziehen“.

Der stationäre Handel steht hierzulande erst am Beginn der Ära der „Bricks & Clicks“ – oder sollte ich besser sagen: „Bricks & Touches“. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist der deutsche Einzelhandel noch weit hinter Trendpionieren wie Target oder Home Depot aus dem englischsprachigen Raum zurück. Das heißt auch: Ein Gros der bundesdeutschen Konsumenten ist noch gar nicht mit intelligenten Multikanal-Lösungen in Kontakt geraten.

Eckstein, Aline/Halbach, Judith (2012): Mobile Commerce in Deutschland – Die Rolle des Smartphones im Kaufprozess. ECC Handel, Köln.
59 Seiten
ISBN: 978-3-935546-50-8