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QR-Codes richtig einsetzen (#1): Rettung für Blumenbanausen

Sie sind – objektiv gesehen – einfach nur hässlich, zuweilen verwirrend, idealerweise aber auch die intelligenteste Brücke zwischen Online- und Offlinewelt, die uns zurzeit zur Verfügung steht. Die Rede ist von Quick-Response-Codes, kurz: QR-Codes.

Kaum ein Werbeplakat kommt mehr ohne die quadratisch-pixeligen Linkgeneratoren für Smartphones aus. Immer häufiger begegnen sie uns auf physischen Produkten, in Schaufenstern oder sogar in altehrwürdigen Museen – und warten darauf, von mobilen Endgeräten mit entsprechenden Apps gescannt zu werden. Ist das iPhone die Ikone des mobilen Zeitalters, so ist das Attribut QR-Code dessen Symbol.

QR-Codes und die Macht der Gewohnheit

Allen Nutzungskontexten ist gemeinsam: Über QR-Codes wird mehr geredet als dass sie tatsächlich zur Anwendung kommen. Ein bisschen Feldforschung genügt, um zu sehen, dass ein klassischer Aufsteller in der Fußgängerzone mehr Aufmerksamkeit (und Kunden-Aktivität) erzeugt, als das schwarz-weiße Chaos-Schachfeld irgendwo am unteren Bildrand einer Werbemaßnahme.

Wenn ich selbst in mobil-adretter Geste vor einem QR-Code stehe und ihn mit meinem Smartphone einfange, beschleicht mich nicht selten ein beklommenes Gefühl aus der Frühzeit der Handynutzung im öffentlichen Raum, irgendwo zwischen Peinlichkeit und Konsum-Avantgarde. Es dauert wohl noch ein Weilchen bis sich die durchaus smarten Helferlein im Mediennutzungsalltag etabliert haben.

Das liegt vor allem auch an vielen Missverständnissen, die über den tatsächlichen Mehrwert von QR-Codes kursieren. Grafik-Designer sehen darin mitunter etwas anderes als Marketing-Verantwortliche. QR-Codes eingebettet in Newsletter, die immer häufiger über mobile Endgeräte abgerufen werden, sind genauso unnütz wie QR-Codes auf Plakaten in internetfreien U-Bahnhöfen (siehe Video).

Deshalb möchte ich in meiner Blogserie QR-Codes richtig einsetzen der Frage nachgehen, wo und wann die symbolträchtige Schnittstelle wirklich Sinn macht – zwischen stationärem Handel und Internet, zwischen Produkt und Geschichte, zwischen Werbung und Leadgenerierung, und und und … ganz subjektiv, versteht sich.

Teil 1: Rettung für Blumenbanausen – aber nicht nur

Viel zu entdecken: die QR-Blume (Foto: AH)

Viel zu entdecken: die QR-Blume (screenshot: AH)

Auftakt macht ein – wie ich finde – gelungener Einsatz des QR-Codes auf der Verpackung einer Topfpflanze. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht? Ich bin jedenfalls notorischer Falschbehandler von Topf- und Kübelpflanzen. Zu viel Licht, zu wenig Wasser, falscher Standort. In Fachbüchern und überinformierten Online-Foren schlage ich nur noch selten nach, was meinen Pflanzen gut tut. So werden bei mir aus mehrjährigen Balkonpflanzen regelmäßig wahre „Fast-Moving-Consumer-Goods“ – und landen in der Bio-Tonne.

Übersichtliche Infos zur Pflanze auf der mobilen Seite

Übersichtliche Infos zur Pflanze auf der mobilen Seite

Bei der Blue GET MEE@ könnte das jetzt anders ausgehen. Schließlich habe ich qua QR-Code Zugang zu detailreichen, dennoch sehr übersichtlich gestalteten Informationen bekommen: Standort, Gießen, Temperatur, Auspflanzen und Düngen. Weiteres Nützliches Angebot auf der Landing Page ist der Button „Inspiration“, hinter dem sich Tipps zur Wohnraumgestaltung und mehr verbergen. Einziges Manko: Die Verpackung landet im Mülleimer und damit auch der QR-Code. Auf den altmodischen Stecktäfelchen für die Blumenerde wäre er besser aufgehoben.

QR-Quick-Check

Produkt: Topfpflanze Blue GET MEE®
Gefunden bei: Blume 2000
Anbieter: Fairytale Flowers®/Gartneriet PKM, Dänemark
QR-Code auf: Folien-Verpackungsschutz einer Topfpflanze
• Produktinfo bei Anwendung; dauerhaft nur, wenn Landing-Page gebookmarkt wird
• nur bedingt geeignet für Produktinfo am PoS
• aufgeräumt und mobile optimiert (Link)
• die erste Produktseite könnte übersprungen werden
• ohne E-Shop-Anbindung
• Link zur Unternehmenswebsite
Für Endverbraucher: ausführliche Pflegetipps mit zusätzlicher Inspiration
Für Hersteller: Tracking des Nutzerverhaltens
Für Händler: gering; allenfalls Inspiration in der Kundenberatung
Blumenpflegeinfos auf Stecktäfelchen für die Blumenerde
Vorteile: flexibel einsetzbar, relativ witterungsbeständig
Nachteile: wenig Platz für Inhalte, beliebtes Kinderspielzeug im Blumenkasten, brüchig