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Der Beutezug der Ikeaner: Der Möbelgigant als Stadtentwickler

Langsam wird es mir unheimlich. Sind Ikea-Manager direkte Nachfahren der Wikinger? Glaubt man dem Bericht der Zeitung „The Globe and Mail“ vom 1. April 2012 (!), dann könnte da was dran sein. Denn IKEA ist ja nicht nur ins Fertighaus-Segment eingestiegen, sondern plant nun ein ganzes Stadtviertel in London.

1200 niegelnagelneue Häuser und Appartments, bevölkert von 6000 Menschen, sollen bis 2013 im Londoner Bezirk Strand East stehen. Vermietet! Im Land der Hausbesitzer ist das an und für sich schon ein Raubdelikt. Aber dann auch noch Möbelbauer als Vermieter und ein skandinavisches Stadtplanungsmodell im Vereinten Königreich mit braven, kinderreichen Mittelstandsfamilien, die umweltfreundlich und total sozial sind, außerdem dreimal im Jahr in Urlaub fahren – kann das gut gehen?

Auch wenn die Verantwortlichen beschwichtigen, es gebe in den anliegenden Restaurants garantiert keine Fleischbällchen à la IKEA Food und auch die Grundrisse seien nicht auf Billy-Formate abgestimmt, so ganz glauben mag ich die Selbstlosigkeit der postmöbilaren Stadtentwickler nicht. Erst recht nicht, wenn sie sagen, auch ein IKEA Store würde man vergeblich auf dem Gelände suchen.

Das ist ja so, als würden sich Wikinger vor dem Beutezug die Bärte abschneiden.