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CityUp – so geht ging Digital Signage

Lokale Werbepartner im Digital-Signage-Netzwerk (Foto: AH)

Lokale Werbepartner im Digital-Signage-Netzwerk (Foto: AH)

Vier Wochen bin ich nun in meinem neuen Büro im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. In Fußweite befindet sich die beliebte Einkaufsmeile Leipziger Straße, das westliche Pendant zur „szenigeren“ Berger Straße im Frankfurter Osten. Wenn ich über Innovationen im stationären Einzelhandel spreche und schreibe, ist mir die Nähe zum „Feld“ immer besonders wichtig. Um so schöner ist es dann, wenn man – wie heute beim Mittagessen – auf alte Bekannte aus meiner Studie SALES DESIGN trifft: Ein Dönerladen nutzte gut ein Fünftel seiner Schaufensterfläche für das Schaufenster-TV CityUp, über das ich auf Seite 50 der Studie 2009 berichtet habe.

CityUp hat den Roll-out in die Mitte und den Süden Deutschlands also geschafft. 2008/09 startete man am Unternehmensstandort Bad Honnef und brachte die Idee des Digital-Signage-Netzwerkes auch nach Bonn, Bergisch Gladbach und Köln. Nun sind auch schwere Kaliber wie Frankfurt und München angeschlossen. Glückwunsch! 2011 wurde CityUp von der Software-Initiative Deutschland e.V. (SID) gar mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Ein Erfolg, der für sich spricht.

Einbindung externer Werbung (Foto: AH)

Einbindung externer Werbung (Foto: AH)

Kurzportrait: CityUp stellt Einzelhändlern, Gastronomen und Dienstleistern Schaufenster-Bildschirme der neuesten Generation komplett mit dazugehöriger Technik kostenfrei zur Verfügung. Neben den Auslagen ist so auch ein attraktives individualisiertes Medienangebot mit lokalen Veranstaltungstipps, Nachrichten und Wetterinformation ein Hingucker. Der Clou jedoch ist: Die Werbung des Ladenbetreibers wird nicht nur im eigenen Schaufenster-TV umgesetzt, sondern über das „Digital Signage“-Netzwerk von CityUp kostenfrei auch an weiteren Standorten ausgestrahlt. Eine Blacklist verhindert Werbung für die Konkurrenz im eigenen Schaufenster.

Was hat CityUp richtig gemacht?

  1. Es versteht Digital Signage nicht als Berieselungs-Tapete. Davon gibt es In-Store und Out-of-Home mittlerweile genug. Der Mehrwert für Passanten durch die Präsentation lokal-relevanter Informationen ist offensichtlich.
  2. Standortbesitzer zahlen nichts drauf – im Gegenteil. Sie profitieren vom lokalen Werbenetzwerk der kleinen Händler und Dienstleister. Konnte sich ein Dönerladen früher Out-of-Home-Werbung leisten? Wohl nicht. Die Stromkosten der TV-Stele mal außen vor gelassen.
  3. CityUp bleibt technisch auf dem neuesten Stand – und wechselt, wenn es sein muss, auch die Hardware-Partner: State-of-the-art-Geräte, kabelsalatfreier UMTS-Anschluss, Trigger für Digital Signage etc.
Buntes Kebabhaus-Fenster (Foto: AH)

Buntes Kebaphaus-Fenster (Foto: AH)

Bleibt nur die Hoffnung, dass das Geschäftsmodell mit vorrangigen Einnahmen aus der Einbindung externer Werbepartner dem heiß umkämpften Digital-Signage-Markt stand hält. Aber man sorgt ja auch vor – wenn ich die Bestrebungen des Full-Service-Anbieters in Richtung „Taxi-TV“ richtig deute.

„Blacklist“ von hinten (Foto: AH)

„Blacklist“ von hinten (Foto: AH)

Ach ja, eine kleine Verbesserung hätte ich noch: Als ich meinen leckeren Döner bei Minusgraden lieber in der warmen Stube genossen habe, starrte ich auf die Rückseite der Stele – da bekommt das Wort Blacklist einen ganz anderen Charakter. Wieso das Schaufenster-TV also nicht auch nach innen „ausstrahlen“?

1 Kommentar
  1. Leider hat es nicht gereicht. Ich habe es schon geahnt, als ich wieder Döneressen war. Die TV-Stele war weg.

    Wie ich schon angedeutet habe, das Geschäftsmodell hat dem heiß umkämpften Digital-Out-of-Home-Markt nicht stand gehalten. CityUp meldete im April 2012 Insolvenz an. Die Expansion kam ins Stocken. Schade.

    In meinem neuen Buch „Bricks & Clicks“ werde ich dem Thema etwas näher auf den Grund gehen.