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Hausbesetzer-Dialog: IKEA City mit schweren Geburtswehen

Auf Seite 37 der Studie SALES DESIGN findet das Vorhaben des schwedischen Möbelriesen IKEA Erwähnung, eine City-Filiale in Hamburg zu eröffnen. Noch steht am ausgesuchten Standort in Hamburg-Altona das alte Frappant-Gebäude. Künstler und Designer, die lange Zeit dort untergekommen sind, halten nun – nach Auslauf der Mietverträge – das Gebäude besetzt. Wie das Hamburger Abendblatt meldet, ist IKEA auf die Hausbesetzer zugegangen, um eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen.

Um den ersten IKEA City Store in Deutschland auf dem betreffenden Grundstück bauen zu können, müsste das Frappant-Gebäude abgerissen werden. Die Strategen bei IKEA sind nicht auf den Kopf gefallen. Vielleicht nutzen sie die Gunst der Stunde, um Pluspunkte als Kulturförderer zu sammeln. In gewisser Hinsicht haben sie darin Übung. Wie Sie auf Seite 100 der Studie lesen, kennt sich das Möbelhaus bestens mit dem „Customer Driven Marketing“ aus: Die IKEA-Filiale im US-amerikanischen Burbank bei Los Angeles ist nämlich seit diesem Jahr Kulisse für eine Video-Soap, die mit mittlerweile sechs Folgen zehntausende von Abrufen auf diversen Videoportalen vorweisen kann.

Die Macher der „IKEA Heights“ betonen, dass sie die Videos ohne ausdrückliche Genehmigung des Store-Managements drehen. Die Los Angeles Times schätzt die eingesparten Viral-Marketing- und Drehkosten für IKEA auf 50.000 US-Dollar. „Ich finde die Videos ganz witzig und denke, man schmeichelt der Marke Ikea“, sagt Mona Astra Liss, PR-Verantwortliche der betreffenden Filiale.

Ob der Konzern nun Anwohner und Kritiker auf seine Seite bringen kann, wird sich Mitte Januar 2010 zeigen. Dann nämlich sind rund 180.000 Bürger aus dem Bezirk Hamburg-Altona aufgerufen ihre Stimme abzugeben: Ja oder Nein zu IKEA City.

4 Kommentare
  1. Umfassende, detailreiche Zusammenfassung des Zankapfels Frappant-Gebäude erschien am 26.01.2010 auf Telepolis: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31960/1.html

  2. 77 Prozent stimmen für IKEA City in HH-Altona: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,673299,00.html

  3. Am Dienstag, den 19. Januar läuft der Bürgerentscheid zu PRO IKEA aus. altona.info hat Stimmen vom Spritzenplatz in Ottensen eingefangen und auf YouTube gestellt: http://www.youtube.com/watch?v=R7O1q4zilss

    Und SPIEGEL ONLINE titelt in TAZ-Manier „Ikea vermöbelt Altona“. Hier der Artikel: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,671819,00.html

  4. altona.INFO moderiert nun das „Offizielle BÜRGERFORUM IKEA in Hamburg-Altona“. IKEA wird die über das Forum eingereichten Fragen beantworten. Vielleicht ist dieser Vorstoß der „Dritte Weg“ in Sachen Stadtteilarbeit – und letzten Endes Konsensfindung zwischen Markt (IKEA) und Meinung (Bürger). http://www.altona.info/2010/01/neu-offizielles-burgerforum-ikea-in-hamburg-altona/