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Gate 05 – Airport-Shopping in der Einkaufsstraße [Interview]

Die Idee für „Gate 05“ entstand dadurch, dass Jan Unnewehr als Flugbegleiter verschiedene Dinge und Produkte aus der ganzen Welt sammelte, die ihm hier in Deutschland fehlten. Also warum nicht aus der Sammelleidenschaft ein Geschäftsmodell basteln?

Bei „Gate 05“ finden sich praktische Reiseutensilien wie Koffer, Taschen, Kulturbeutel oder Kosmetik, aber auch witzige Mitbringsel aus fremden Ländern und von Flughäfen in der ganzen Welt. Auch die Hälfte der Mitarbeiter von „Gate 05“ sind Flugbegleiter und bringen Produkte und Ideen von ihren Reisen in den Frankfurter Laden mit. Somit gibt es ständig neue Produkte im Sortiment zu entdecken und Services, wie beispielsweise der Verleih von Koffer, in Asien Gang und Gebe, in Deutschland kaum üblich, werden hier im Laden getestet.

Das Besondere: ein Nischenshop, der sich auf das Thema Reiseprodukte spezialisiert und dessen Mitarbeiter keine Verkäufer, sondern Servicepersonal sind.

Gate 05 1 Gate 05 2 Gate 05 3 Gate 05 4

Ladengründung: 2004
Mitarbeiter: Geschäftsführer, sechs Aushilfen und einen Auszubildenden
Ladenadresse: Berger Str. 46, 60316 Frankfurt
Homepage: www.gate05.de

Das Zukunftsinstitut sprach mit Jan Unnewehr (JU), dem Geschäftsführer von „Gate 05“.

Interviewerin: Janine Seitz (ZI)
Ort: Frankfurt
Datum: 28.07.2009
Dauer: ca. 15 Minuten

ZI: Was macht Ihren Shop einzigartig, wie kamen Sie auf die Idee Reiseutensilien aller Art zu verkaufen und was ist Ihr Konzept?

JU: Ich suche Sachen auf der ganzen Welt zusammen, die es so in Frankfurt gar nicht gibt. Die kann man dann in meinem Laden kaufen und dadurch wird er einzigartig. Ich bin Flugbegleiter und habe ursprünglich Sachen gesammelt, die mir fehlen oder die ich auf meinen Reisen toll fand. Die Sachen sind in die Kategorien Koffer, Taschen, Accessoires, Kulturbeutel und Kosmetik unterteilt. Nach diesen Kategorien versuchen wir etwas Spezielles zu finden, was man gut gebrauchen kann und lustig ist.

ZI: Also sind praktisch Sachen aus der ganzen Welt hier zusammengesammelt?

JU:
Ja, ich habe z.B. eine große Kulturbeutelsammlung von Vaude, die man nirgendwo anders auf der Welt findet. Ich habe auch eine etwas kleinere Auswahl an Koffern, die aber sehr praktisch sind und die ich selber getestet habe. Und falls jemand wirklich nicht seinen gewünschten Koffer findet, ist das kein Problem, denn ich kenne viele andere Läden, zu denen ich den Kunden dann schicken kann. Ich gebe Tipps, wo es die gewünschten Modelle eventuell geben könnte.

ZI: Sie verleihen auch Koffer?

JU: Ja, wir verleihen seit kurzem auch Koffer. Es gab viel Nachfrage, weil es in Deutschland so ungewöhnlich ist. In Asien ist Kofferverleihen gang und gäbe. Meistens kann man sich schon im Reisebüro den Koffer für die Reise aussuchen.

ZI: Was natürlich auch praktisch ist, weil man sich nicht alle Koffer kaufen muss.

JU: Genau, aber in Deutschland möchten die Leute ihre Koffer lieber selbst besitzen. Ich bin gespannt wie diese neue Idee angenommen wird. Wir wollen testen, wie das bei den Leuten ankommt.

ZI: Wie lange gibt es Ihren Laden schon?

JU: Seit fünf Jahren.

ZI: Wie viele Mitarbeiter haben Sie?

JU: Ich habe, seit letzten Jahr, einen Auszubildenden und sechs Aushilfen. Wir wechseln uns immer ab. Wenn ich gerade fliege, sind eine Aushilfe und der Auszubildende da und so funktioniert es ganz gut.

ZI: Sind Sie alle unterwegs?

JU: Nicht alle. Die Hälfte meiner Mitarbeiter sind Flugbegleiter und die andere Hälfte Studenten.

J.S.: 8. Frage: Also sind Ihre Mitarbeiter keine ausgebildeten Verkäufer?

JU: Nein, keiner ist speziell ausgebildet. Sie arbeiten alle in einem Serviceberuf, das ist ihre einzige Gemeinsamkeit. Es war mir wichtig, bei der Auswahl der Leute zu schauen, dass sie Servicekenntnisse aus anderen Bereichen haben. Ich finde das wichtiger, als eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Für mich sind die Kunden Gäste wie in einem Flugzeug. Wenn man das beachtet, geht man ganz anders mit ihnen um.
Wir trainieren am Job, dass heißt unser Personal, das Service-Erfahrung hat, weiß, wie sie mit den Kunden umgehen müssen. Meine Mitarbeiter sollen sich vorstellen, die Kunden seien Freunde von Freunden, die hier vorbeikommen. Dann geht man mit ihnen ganz anders um, als wenn man denkt, dass man ihm nur eine Tasche verkaufen soll. Man ist ehrlicher, weil es der Freund von einem Freund ist, man gibt sich mehr Mühe und man kommt ganz einfach zu einem Smalltalk. Die Stimmung ist dann, finde ich, viel angenehmer und relaxter, als in einem normalen Verkaufsgespräch. Wir reden lieber, bevor wir etwas verkaufen. Das ergibt sich dann meistens im Gespräch.

ZI: Es gibt also keine externen Schulungen?

JU: Nein, das machen wir alles hier.

ZI: Gibt es bei Ihnen auch Frankfurter Produkte?

JU: Ja, immer mal wieder. Wir wechseln sehr häufig das Sortiment. Im Moment gibt es wieder einen großen Wechsel. Wir haben Schlüsselanhänger, Koffer und Taschen mit dem Frankfurter Airport Code darauf und ab und zu haben wir auch noch andere Sachen vom Frankfurter Flughafen da. Wir hatten einmal ein komplettes Frankfurt-Fenster, wo man Frühstücksbrettchen oder Sachen mit dem Frankfurter Stadtplan darauf kaufen konnte. Dies war sozusagen unser Special. Aus Hessen haben wir kleine Gerippte, die von einem Frankfurter designt und in Hessen hergestellt wurden. Es ist etwas typisch Hessisches. Ich suche manchmal auch Frankfurter Hersteller, die mir etwas produzieren. Ich hatte schon Taschen von einer Frankfurter Künstlerin. Das ist sozusagen mein Lokalpatriotismus. Ich wechsele die Künstler, wie mein Sortiment. Das Einzige, was sich nicht auswechselt, sind die Schlüsselanhänger und die Taschen. Die wird es immer geben und dazu kommen dann immer noch einige andere Sachen.

ZI: Und was hat es mit diesem Roller vor Ihrem Laden auf sich?

JU: Ich fand den so schön. Das ist mein Roller. Ich bin an einem Geschäft vorbeigefahren, wo es restaurierte Roller gab und fand die Vespas einfach so toll. Ich dachte mir, es ist sicher ein guter Blickfang, wenn mein Roller vor dem Schaufenster steht. Die Leute bleiben oft stehen und ich fragte die Werkstatt, ob sie uns einen Roller leihen könnte, da es für beide eine gute Promotion wäre.

ZI: Das passende Pendant vor der Tür ist, finde ich, sehr witzig…

JU: Genau, es gibt sozusagen alt und neu. Zwischen meinen Taschen und dem Roller liegen ca. 40 Jahre.

ZI: Was haben Sie sonst noch an Ihrem Laden innerhalb des letzten Jahres verändert?

JU: Die Produktauswahl verändern wir ständig. Wir haben unsere Kategorien und verändern die Sachen immer. Manchmal kommt es leider zu Durststrecken, wo wir drei Wochen keine Lieferung bekommen. Andererseits bekommen wir manchmal sehr schnell, sehr viele neue Sachen. So ist es auch für den Kunden spannend, gelegentlich bei uns vorbeizuschauen. Er kann dann schauen, was heute neues gekommen ist. Deswegen halten wir uns auch nicht an die jeweilige Saison. Natürlich haben wir eine Weihnachtssaison, aber keine richtigen Weihnachtsartikel. Wir haben meistens schöne neue Sachen da und es lohnt sich, einmal pro Woche in den Laden zu kommen und zu schauen, was es neues gibt.

ZI: Also bringen so etwa jede Woche Sie oder Ihre Mitarbeiter etwas von einer Reise mit?

JU: Ja, aber ich schaue auch auf Messen oder vor Ort nach neuen Sachen. Die Leute machen mir auch oft Vorschläge und ich trete dann mit den jeweiligen Herstellern in Kontakt oder schaue im Internet nach. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Sachen.

ZI: 15. Frage: Welche Rolle spielt denn für Sie das Internet?

JU: Eine große Rolle. Bei unserer Website muss ich mir aber selber an die Nase fassen, weil sie hat schon lange kein Update mehr bekommen, aber am Donnerstag treffe ich mich mit dem Bruder meines Designers, der mir die Website macht. So bleibt alles in der Familie und ist aus einem Guss. Das ist sehr praktisch. Ich muss nur mit einem sprechen. Für mich ist das Internet unglaublich wichtig. Ich recherchiere und bestelle sehr viel über das Internet. Viele Großhändler bieten ihre Artikel auch über das Internet an und dadurch, dass ich einen sehr unregelmäßigen Terminkalender habe, weil ich viel unterwegs bin, ist es toll, dass ich auch nachts um zwei in Hongkong eine Bestellung aufgeben kann. Es schauen auch viele Leute meinen Laden auf der Internetseite an. Deswegen muss da jetzt etwas passieren, auch weil ich mit einem kleinen Internetshop anfangen will. Den gibt es noch nicht, aber er ist schon konkret geplant, weil es für Leute, die jetzt z.B. in Hamburg wohnen, toll ist, wenn sie sich die Sachen über das Internet bestellen können, oder im Internet sehen, was es aktuell in meinem Laden gibt. Die Seite wird komplett umgestaltet und bekommt eine einfachere Struktur.

ZI: Was planen Sie für die Zukunft? Haben Sie irgendwelche Änderungen geplant?

JU: Ich werde eigene Produkte entwerfen. Ich designe die Sachen und lasse sie dann produzieren. In dieser Richtung wird es noch einiges geben. Ich arbeite mit einem Designer zusammen und wir haben einige Produkte entworfen. Er designt sie und ich lasse sie produzieren. In dieser Richtung wird sich der Laden auch ausweiten. Die Website wird neu überarbeitet und wir entwickeln eigene Produkte. Ich habe noch sehr viele Ideen.

ZI: Eröffnen Sie auch neue Filialen?

JU: Das wird auch wieder dazukommen. Ich hatte früher eine Filiale, die aber leider nicht funktioniert hat. Dieses Jahr wird eine neue Filiale dazukommen, aber in einer anderen deutschen Stadt, nicht in Frankfurt. Im Ausland könnte ich mir auch eine Filiale vorstellen. Ich bin für so etwas immer offen. Sobald mir neue Ideen einfallen, schreibe ich sie mir auf, weil man dann ein Jahr später nachschauen kann. Ich glaube, man muss da immer weiterdenken und es muss immer etwas Neues geben.

ZI: Sie könnten doch am Flughafen einen Laden eröffnen?

JU: Das würde ich gerne machen, aber die Miete ist zu teuer und ich bräuchte mehr eigene Produkte.


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1 Kommentar
  1. Von der Berger Straße ins KaDeWe. Gate05 bespielt nun auch kleine Fläche im Berliner Nobelkaufhaus. Wir gratulieren! http://www.gate05.de/312