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Flaming Star – Vom Online-Shop zum Szenetreff

Zunächst nur  als reiner Online-Shop für Rockabilly- und Punk-Klamotten konzipiert, wurde „Flaming Star“ vor fünf Jahren als Laden in Stuttgart verortet. Der Laden gilt nicht nur als Szenetreff, in dem man nach Labels aus der weltweiten Rockabilly-Szene stöbern kann, sondern man kann sich auch passend zu seinem neuen Outfit die perfekte Frisur zaubern lassen. Außerdem hat sich „Flaming Star“ als T-Shirt-Label weltweit einen Namen gemacht. Es gibt sogar eine „Flaming Star“-Kinderkollektion mit Babystrampler und Lätzchen mit der Aufschrift „Milk, Mom and Rock’n’Roll“. Auch die Mitarbeiter haben Rock’n’Roll im Blut, doch immer mit dem Wunsch verschiedene Stile zu kombinieren und neue Konzepte auszuprobieren. „Flaming Star“ bietet also das Rundum-Sorglos-Paket für alle Rockabillies. „Flaming Star“ ist zugleich Label, Online-Shop, Klamottenladen und Friseursalon.

Das Besondere: ein Online-Shop für T-Shirts geht offline und mausert sich durch eine innovative Shop-Idee zu einem Szenetreff.

Flaming Star 1 Flaming Star 2 Flaming Star 3 Flaming Star 4

Gründung: 1999 Online-Shop, seit 2004 Ladengeschäft in Stuttgart
Mitarbeiter: zwei Geschäftsführer, eine Friseurmeisterin, zwei Mitarbeiter, ein Praktikant
Kunden: 50% Rockabillies aus der Szene, 50% andere Kunden
Ladenadresse: Nesenbachstr. 48, 70178 Stuttgart
Homepage: www.flamingstar.eu
Social Networks: My Space, Gruppe in StudiVz

Das Zukunftsinstitut sprach mit Florence Shiraz (FS), einer der Geschäftsführer von „Flaming Star“.

Interviewerin: Janine Seitz (ZI)
Ort: Telefoninterview
Datum: 04.08.2009
Dauer: ca. 20 Minuten

ZI: Was macht Ihren Shop einzigartig, was ist Ihr Konzept und wie kamen Sie auf die Idee, diesen Laden aufzumachen?

FS: Ich glaube ein Unterschied zu vielen anderen Läden ist, dass wir ein eigenes Label haben, welches wir über unseren Online-Shop großhandelstechnisch europaweit vertreiben, aber wir kaufen auch andere Produkte dazu, die wir dann vertreiben.

ZI: Sie stellen also eigene Kleidung her?

FS: Genau, wir designen unsere Kleidung selber. Das meiste sind Unterhemden, T-Shirts, Kapuzenpullis, Longsleeves und wir haben eine eigene Kinderkollektion.

ZI: Auf Ihrer Internetseite habe ich gesehen, dass sie auch einen Friseursalon in Ihrem Laden haben.

FS: Ich habe das so verstanden, dass Sie mich nur nach unseren Online-Shop fragen wollen.

ZI: Nein, meine erste Frage war eher auf Ihr gesamtes Konzept bezogen.

FS: Okay. Ja, in unserem Laden haben wir auch einen Friseursalon.

ZI: Wie kamen Sie auf die Idee beides zu kombinieren?

FS: Das habe ich meiner damaligen Freundin, die heute immer noch in dem Laden arbeitet, angeboten. Sie kam aus Amerika zurück und hatte keinen Job. Sie ist Friseurin und hat mittlerweile auch ihren Meister. So kam das zustande. Es war eine spontane Idee.

ZI: Es ist also aus einer gemeinsamen Freundschaft die Idee entstanden, einen Laden mit einem Friseursalon zu kombinieren?

FS: Genau, ich habe es ihr vorgeschlagen. Ich fand schon immer Läden, die verschiedene Sachen anbieten interessanter. In Deutschland sieht man das nicht so oft, aber in anderen Ländern, wie z.B. San Francisco gibt es häufig solche Läden. Da gibt es wahrscheinlich vorschriftstechnisch nicht so viele Hürden, wie in Deutschland.

ZI: Was gab es denn für Hürden?

FS: Bei uns gab es gar keine Hürden. Aber ich kann mir vorstellen, wenn man z.B. auch noch Tätowierungen anbieten wollte, müsste man bestimmte Hygienevorschriften erfüllen. Man kann nicht einfach so Sachen kombinieren. Zum Beispiel sind Gästetoiletten vorgeschrieben, wenn man einen Friseursalon eröffnen will.

ZI: Es war also eine spontane Idee, die vorher von Ihnen nicht konkret geplant wurde?

FS: Ja, wir haben das vorher nicht groß geplant. Meine Freundin hat sich mit der Idee am Anfang etwas schwer getan. Sie überlegte mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate, bis sie sich endlich mit dem Gedanken anfreunden konnte. Sie bereut ihre Entscheidung aber nicht.

ZI: Ihren Laden gibt es jetzt seit zehn Jahren?

FS: Genau.

ZI: Hat sich Ihr Konzept seither bewährt?

FS: Ja. Den Laden gibt es seit fünf, unseren Online-Shop aber schon seit zehn Jahren.

ZI: Also ist der Laden einfach so dazugekommen?

FS: Genau.

ZI: Die Idee dahinter ist also, rockige Klamotten und einen Friseursalon zusammenzubringen und Sie verkaufen Ihre Produkte, mit genau dieser Idee dahinter?

FS: Das ist auch unser Background. Wir kommen ein Stück weit aus dieser Szene, allerdings jeder aus einer anderen. Melli kommt mehr aus dem Punkbereich, ich komme mehr aus dem Rockabilly. Wir hören eigentlich alle Musikrichtungen. Es ist einfach eine Mischung von allem. Wir sind kein spezieller Rocker- oder Punk-Store, sondern wir mischen einfach alles.

ZI: Dann haben Sie wahrscheinlich Kunden aus ganz Deutschland?

FS: Ja, aber auch aus ganz Europa.

ZI: Wissen Sie vielleicht, ob es in Deutschland andere, ähnliche Läden gibt?

FS: Ich denke schon. Gerade im Ruhrgebiet gibt es sicherlich so etwas. Wahrscheinlich nicht mit einem Friseursalon dabei, aber solche Szeneläden gibt es in jeder größeren Stadt. Es gibt jetzt auch neuerdings Kombistores, aber die kenne ich nicht so genau.

ZI: Ich denke gerade Ihre Idee ist das Besondere an dem Laden. Es werden sicher viele Leute auch aus dem größeren Umkreis zu Ihnen kommen. Ist Ihr Laden sozusagen ein Szenetreffpunkt?

FS: Melli hat natürlich ihre Stammkunden. Es ist relativ schwierig, dort einen spontanen Termin auszumachen. Es gibt durchaus Leute, die z.B. aus dem Schwarzwald oder Frankfurt anreisen. Viele kombinieren den Laden auch mit Stadtbesuchen. Aber einfach anrufen und einen Termin in dieser Woche ausmachen wollen, geht leider nicht.

ZI: Arbeitet Ihre Freundin alleine?

FS: Ja.

ZI: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

FS: Wir sind zwei Geschäftsführer oder Inhaber. Die Melli ist separat und wir haben zwei festangestellte Mitarbeiter und eine Praktikantin.

ZI: Also ein relativ kleiner Kreis.

FS: Ja.

ZI: Muss Ihr Personal besondere Voraussetzungen haben?

FS: Qualifikationen, wie Zeugnisse oder Noten nicht. Es ist uns wichtig, dass unsere Mitarbeiter gut mit Kunden umgehen können. Auch schauen wir, wie sie mit dem Online-Shop umgehen und dass sie gewissenhaft mit unseren Waren umgehen. Nach solchen Kriterien wählen wir unsere Mitarbeiter aus. Diese Voraussetzungen muss man nicht studieren, aber man muss ein Händchen und Lust dafür haben. Wenn man im Laden nicht in der Lage ist, auf Kunden zu zugehen und bei der Beratung alles zu geben, dann funktioniert es auch nicht.

ZI: Bieten Sie besondere Schulungen für ihre Mitarbeiter an?

FS: Nein, das machen wir mit Gesprächen, einem Verteiler und regelmäßigen Treffen. Wir gehen auch sehr offen mit Kritik um. Wenn uns Sachen auffallen, sprechen wir sie sofort an. Ich muss dazu sagen, dass unsere Mitarbeiter sehr kritikfähig sind. Es kommt natürlich darauf an, wie man es rüberbringt, aber ich muss sagen, diese gegenseitige Aussprache funktioniert sehr gut bei uns.

ZI: Es werden also alle Komplikationen sofort geklärt?

FS: Ja, anders würde es auch nicht funktionieren, weil wir den Laden, den Online-Shop, den Großhandel haben und auch noch Druckaufträge für Bands machen. Das sind Sachen, die oft Hand in Hand greifen. Wenn einer seine Arbeit nicht richtig macht oder wenn die Bestände im Online-Shop nicht stimmen, bekommt die Foni Probleme mit der Mailorder, wenn sie neue Bestellungen für Händler zusammenstellt. Deswegen ist es wichtig, dass jeder seine Arbeit richtig macht.

ZI: Sind Ihre Mitarbeiter nur im Laden tätig, oder arbeiten sie auch mit an dem Online-Shop?

FS: Das muss auch jemand machen. Wir haben eine fest angestellte Mitarbeiterin, die sich nur um Händleraufträge und Online-Bestellungen kümmert. Sie ist im Großhandels- und Privatkundenbereich tätig und der Rest der Mitarbeiter im Laden.

ZI: Es gibt also keine fließenden Übergänge, sondern jeder hat seinen eigenen Bereich?

FS: Wir legen Wert darauf, dass jeder seinen eigenen Bereich hat und nicht alles machen muss, dann ist nämlich Chaos vorprogrammiert.

ZI: Haben Sie im letzten Jahr irgendetwas an Ihrem Konzept oder Laden gravierend geändert?

FS: Nein, größere Änderungen gab es nicht. Intern dagegen haben wir viel verändert, aber das ist alles nichts Gravierendes. Wir ändern ständig Sachen, aber das hat meistens nichts mit unserem Konzept zu tun.

ZI: Wie häufig wechseln Sie die Marken und Labels in Ihrem Laden?

FS: Manche Marken haben wir schon von Anfang an in unserem Sortiment. Wir werden sie sicherlich auch weiterhin anbieten, weil der Kontakt und der Ablauf sehr gut sind. Wenn man Ware aus dem Ausland bestellt, z.B. aus England oder Amerika, gibt es oft Probleme bei der Kommunikation oder in der Abwicklung mit dem Zoll. Das ist dann oft so ärgerlich, dass wir dort nicht noch einmal bestellen.

ZI: Sie wechseln also nicht halbjährlich Ihr Sortiment?

FS: Es kommt darauf an, was die Leute anbieten. Das hat nichts mit der Marke zu tun, sondern was die für Sachen haben.

ZI: Führen Sie auch Produkte von Stuttgarter Labeln in Ihrem Laden?

FS: Nein, das decken wir mit unseren eigenen Sachen ab. Die Angebote, die ich bisher bekam, fand ich für unseren Laden nicht passend.

ZI: Designen Sie Ihre Produkte selber?

FS: Ja.

ZI: Welche Rolle spielt das Internet für Sie?

FS: Natürlich eine sehr große Rolle, weil man über das Internet, ohne auf die Entfernung zu achten, unheimlich viele Leute erreichen kann. Das sieht man z.B. an MySpace. Es fördert Kundennähe und es wird immer wichtiger mit den Leuten zu kommunizieren. Ich denke, so werden wir auch besser wahrgenommen. Das ist jetzt nicht Frontline, wo keiner weiß, wer am anderen Ende sitzt. Die Leute haben, glaube ich, schon ein bestimmtes Bild von uns.

ZI: Sie sind also auch in diesen sozialen Netzwerken unterwegs?

FS: Nein, eigentlich gar nicht. Wir haben eine Mitarbeiterin, die kümmert sich einmal pro Woche um MySpace, die Bulletins, die Blogs und die ganzen Editing-Geschichten. Damit ist unsere Kapazität auch schon erreicht. Man müsste eigentlich für alles jemand neues einstellen, oder jemand haben, der sich damit ein paar Stunden beschäftigt. Diese Leute mag ich auch nicht von ihren Posten abziehen, weil es einfach wichtig für uns ist.

ZI: Gerade bei einem Blog müssen Sie auch immer auf die Beiträge antworten. Es lohnt sich nicht eine „tote“ Seite zu haben.

FS: Nein, das würde uns gar nichts bringen.

ZI: Planen Sie irgendwelche Veränderungen in der Zukunft? Wollen Sie eventuell neue Filialen eröffnen?

FS: Nein, neue Filialen werden wir nicht eröffnen. Unser Online-Shop wird sich auf jeden Fall immer weiterentwickeln. Daran arbeiten wir auch zurzeit, damit er einen neuen Look bekommt. Für die Zehn-Jahres-Feier haben wir unseren Laden komplett umgebaut. Solche Sachen verändern sich schon, aber eine neue Filiale fände ich persönlich auch nicht gut.

ZI: Gibt es vielleicht besondere Events, die Sie in Zukunft veranstalten werden?

FS: Jedes Jahr an Silvester machen wir „Let´s Get Wild “.

ZI: Was genau ist das?

FS: Das ist eine Silvesterparty, die über drei Tage geht. In Stuttgart gibt es sie schon seit 13 oder 14 Jahren und sie hat sich eigentlich ganz gut etabliert. Sie gehört zu den wichtigsten Silvesterereignissen in Europa. Es kommen auch Besucher aus Australien oder Japan und es treten viele Bands auf. Drumherum gibt es unheimlich viel Rahmenprogramm. Früher hatten wir dort immer einen Stand, aber seit wir den Laden haben, bieten wir zum Teil das Tagesprogramm in unserem Laden an. Die Leute können zu uns kommen. Es gibt DJ´s, Musik, Glühwein, Sekt und Bier und es spielt eine kleine Band. Bei uns können auch Leute, die Lust haben, einfach zu den Instrumenten greifen und loslegen.

ZI: Ist das dann nur bei Ihnen im Laden?

FS: Ja, und abends geht es dann im „Universum“ los. Das ist ein riesiges Teil, mit unheimlich vielen Leuten und da gibt es dann richtig Party. Mittags entspannen die Leute sich bei uns.

ZI: Machen Sie solche Veranstaltungen nur an Silvester?

FS: Wir hatten jetzt unsere Zehn-Jahres-Feier und man kann sagen, sie war ein voller Erfolg. Wir werden jetzt in jedem Jahr ein Sommerfest machen. So haben wir zwei feste Events. Unser Laden hat einen großen überdachten Bereich. Das ist gut, weil es dadurch nicht so schlimm ist, wenn es mal regnet.


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