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aus Berlin – Kaufhaus mit Local Glamour [Interview]

„aus Berlin“ verkauft, wie der Name schon sagt, ausschließlich Produkte aus Berlin und Umgebung oder Produkte mit einem Bezug zur Hauptstadt. Das Zukunftsinstitut sprach mit dem Besitzer.

„aus Berlin“ bietet (Nachwuchs-)Künstlern, Produkt- und Modedesignern wie auch Architekten eine Plattform, sich und ihre Produkte zu präsentieren. Dabei versteht sich „aus Berlin“ ausdrücklich als Kaufhaus: das Sortiment erstreckt sich von Mode über Musik und Magazine bis hin zu Genussmittel und Spirituosen.

Das Besondere: ein bewusst anders gestaltetes Kaufhaus für Design-Produkte mit regionalem Fokus.

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Das Zukunftsinstitut sprach mit dem Besitzer von „aus Berlin“ (AB).
Ladeneröffnung: September 2005
Mitarbeiter: Geschäftsführer und drei Mitarbeiter
Ladenadresse: Karl-Liebknecht-Straße 17, 10178 Berlin
Homepage: www.ausberlin.de

Interviewerin: Ani Ohanian (ZI)
Ort: Berlin
Datum: 24.06.2009
Dauer: ca. 15 Minuten

ZI: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diesen Laden zu gründen und was macht euren Shop einzigartig?

AB: Wenn man in Berlin lebt, stellt man schnell fest, dass es ein riesiges Potential an Kreativität in dieser Stadt gibt. Viele Leute aus unserem Freunde- und Bekanntenkreis sind in irgendeiner Weise kreativ tätig. Ich kenne viele Künstler, Produktdesigner, Modedesigner und Architekten. Irgendwann hatten wir die Idee, diese Kreativität an einer Stelle zu bündeln und den Leuten eine Plattform zu bieten. Es ist sicherlich nicht die Einzige dieser Art in Berlin, aber so etwas an einer zentralen Stelle zu machen, wo die Leute gezielt hingehen können um sich einen Überblick zu verschaffen, was denn so produktmäßig in Berlin möglich ist, ist einzigartig.

ZI: Was unterscheidet Ihren, von anderen ähnlichen Läden in Berlin? Machen Sie irgendetwas Besonderes, oder ist es nur die zentrale Lage am Alexanderplatz, die ihren Laden so populär gemacht hat?

AB: Es gibt natürlich verschiedene andere Läden, die Berliner Design anbieten. Wir versuchen eher unbekanntere Designer auszustellen, oder Künstler die gerade erst anfangen. Ihnen wollen wir sozusagen das erste „Sprungbrett“ bieten. Das macht die ganze Sache natürlich auch für den Kunden interessanter und sie honorieren es, weil sehr viel Fluktuation gibt. Die Sachen tauschen sich relativ schnell aus und es hat immer neue Sachen in unserem Laden.

ZI: Was verkaufen Sie vorrangig?

AB: Das ist vielleicht auch noch mal ein Unterschied zu den Anderen. Es gibt viele Läden, die sich z.B. auf Mode oder Produktdesign fokussiert haben, aber wir wollen auch explizit als Kaufhaus für Berliner Produkte auftreten wollen. Circa 60-70% unserer Produkte sind bei uns natürlich die Mode, aber wir bieten auch Musik von Berliner Labeln und Künstlern, Magazine, deren Redaktionen in Berlin sitzen, ausgewählte Literatur, von verschiedenen Berliner Verlagen, ausgewählt nach den Gesichtspunkten Design, Architektur, Kunst und Mode, Genussmittel und Produktdesign an. Gerade bei Genussmitteln ist der stark wachsende Markt deutlich spürbar. In den letzten Jahren gab es viele Firmengründungen, von Firmen, die sich auf Lebensmittel oder Spirituosen spezialisiert haben. Aber trotzdem spielt sicherlich die Mode und die Musik immer noch die größte Rolle. Die gehen auch praktisch Hand in Hand und spiegeln einen gewissen „Spirit“ Berlins wieder. Es gibt viele Zusammenhänge zwischen diesen beiden Produktgruppen

ZI: Werden die Produkte, die in Berlin designt wurden, auch in Berlin hergestellt?

AB: Nicht alle. Das ist ganz unterschiedlich. Wir versuchen natürlich darauf zu achten und zum Glück gibt es in letzter Zeit ein starke Tendenz dahin, dass die Produkte wieder Regional hergestellt werden. Vor einigen Jahren war es üblich, dass ein Modelabel, wenn es expandierte, der Stadt den Rücken kehrte und nicht mehr alles selber, oder mit ein bis zwei Hilfskräften, nähen wollte. Es wurde versucht eine professionelle Produktion zu starten,  ein, zwei Saisons im Voraus zu planen und dann im größeren Stil produzieren zu lassen. So etwas war vor einigen Jahren leider nur im Ausland möglich. Die Tendenz hat sich aber geändert. Die Produkte regional, oder zumindest deutschlandweit produzieren zu lassen, kommt immer häufiger vor. In Sachsen gibt es zum Beispiel sehr viele alte Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, Textilien herzustellen. Mittlerweile erkennen diese Unternehmen auch das Potential der kleineren Designer in Deutschland, die nur Stückzahlen zwischen 10 und 50 Teilen produzieren lassen wollen und nicht 500 oder 5000. Dem entsprechend reagieren diese Unternehmen natürlich darauf. In der Umgebung von Berlin gibt es viele Behindertenwerkstätten, die inzwischen solche Aufträge annehmen, was natürlich ganz gut ist. Darauf achten wir in letzter Zeit auch vermehrt. Wir führen natürlich einige Produkte in unserem Sortiment, die nicht explizit in Berlin hergestellt wurden und die Baumwolle für die Kleidung wächst natürlich auch nicht auf dem Kreuzberg. Aber der Impuls aller Produkte, die hier vertrieben werden, kommt aus Berlin.

ZI: Spielt es für Ihre Kunden eine Rolle, ob die Kleidung regional hergestellt ist? Wie wichtig ist den Kunden der regionale Bezug zu der Kleidung?

AB: Ich denke, dass es den Kunden sehr wichtig ist. Auf jeden Fall spielt es eine große Rolle. Die Kunden honorieren das, obwohl es entsprechend teurer ist. Aber es gibt auch viele Kunden, die das nicht einsehen. Mit ihnen müssen wir immer wieder Gespräche führen, warum denn dieses T-Shirt hier 50€ und im H&M nur 20€ kostet. Dann müssen wir ihnen erklären, dass das Produkt regional designt, verarbeitet und hergestellt wurde und das macht  letztendlich den Preis aus. Aber es gibt eine immer größer werdende Kundengruppe, die das will und auch honoriert. Sie wollen eine Geschichte zu ihrem Produkt. Am besten dem Designer auch noch persönlich die Hand schütteln oder sie wissen das ihr Kleidungsstück ein Unikat ist und das deswegen der Preis gerechtfertigt ist. Diese Kundengruppe wird, meiner Meinung nach noch weiter wachsen.

ZI: Wie lange gibt es Ihren Laden schon?

AB: Seit September 2005.

ZI: Haben Sie festgestellt, dass die Entwicklung, dass die Kunden vermehrt auf regional hergestellte Produkte zurückgreifen, immer deutlicher wird?

AB: Ich glaube, gerade  durch die Wirtschaftskrise, wird diese Entwicklung auch weiterhin zunehmen. Die Kunden wollen einen Bezug zu der gekauften Kleidung. Das hat irgendwann angefangen, vielleicht mit der Bio-Welle, als die Leute nicht mehr wollten, dass z.B. ihr Apfel 50.000 Kilometer um die Erde reist, wenn er doch auch hier um die Ecke wächst.

ZI: Haben Sie Personal angestellt, oder stehen meistens allein hinter der Kasse?

AB: Wir haben 3 Mitarbeiter angestellt, die abwechselnd verkaufen.

ZI: Haben Sie ihr Personal geschult?

AB: Nein, wir schulen unser Personal nicht.

ZI: Gibt es etwas Besonderes, auf dass Ihre Mitarbeiter achten sollten?

AB: Sie sollen auf jeden Fall gut verkaufen können. Natürlich werden die Leute, die hier anfangen wollen, sich vorher genau angeschaut, ob sie in den Laden hineinpassen.

ZI: 11. Frage: Wer würde denn in Ihren Laden passen?

AB: Es muss sicherlich eine Affinität zu Design, Mode und natürlich auch zu der Stadt da sein.

ZI: Welche Rolle spielt für Sie das Internet, weil Sie ja auch einen Online-Shop haben?

AB: Es spielt natürlich eine große Rolle, die in den Zeiten der Globalisierung sicherlich noch größer werden wird. Die Kombination zwischen Laden und Internetauftritt ist sicherlich nicht verkehrt. Ein reiner Online-Shop hat da sicherlich Probleme, aber es gibt sehr viele Kunden, die sich die Produkte in Ruhe im Internet von daheim anschauen und dann erst in den Laden kommen.

ZI: Wo verkaufen Sie mehr, im Online-Shop oder im Laden?

AB: Im Laden.

ZI: Haben Sie Pläne für die Zukunft? Oder Expansionen und Veränderungen, die sie in nächster Zeit vornehmen wollen?

AB: Die gibt es, aber ich möchte an dieser Stelle nicht darüber sprechen.


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